Zum Stand des „humanitären Systems“ – Neuer ALNAP Report erschienen

Kürzlich ist der von ALNAP (= Active Learning Network for Accountability and Performance in Humanitarian Action) herausgegebene Bericht zum „Stand des humanitären Systems 2015“ erschienen. Die Idee dieses Berichts ist, eine Gesamtschau des „humanitären Systems“ zu liefern und zu beurteilen, wie gut (oder schlecht) es die Bedürfnisse der von humanitären Krisen und Konflikten betroffenen Menschen befriedigt. Was aber ist überhaupt das „humanitäre System“? Nach der Definition von ALNAP „the network of interconnected institutional and operational entities through which humanitarian assistance is provided when local and national resources are insufficient to meet the needs of the affected population“.
Der nun nach 2010 und 2012 dritte Bericht evaluiert und bewertet die Entwicklung des humanitären Systems zwischen 2012 und 2014 und vergleicht sie mit der Periode 2009 bis 2011. Neben dem allgemeinen Teil enthält der Bericht auch vier Fallstudien: Philippinen (Taifun Hayan, bzw. Yolanda, wie er auf den Philippinen genannt wurde), Zentralafrikanische Republik, Mali und Syrien.
Unter die Lupe genommen werden die sechs Kriterien, die man von den OECD-DAC Evaluierungskriterien kennt, nämlich Deckungsgrad, Efektivität, Relevanz/Ange-messenheit, Nachhaltigkeit, Effizienz und Kohärenz. Der Bericht kommt zu einer gemischten Bilanz und stellt in Teilbereichen Fortschritte, aber auch Stillstand und sogar Rückschritte fest. Die Lektüre lohnt sich, nicht nur wegen der sehr übersichtlichen graphischen Aufbereitung der Daten, sondern auch im Hinblick auf Entwicklungen in Teilbereichen des „humanitären Systems“. So werden zum Beispiel unter Verweis auf eine „growth industry“ für 2014 insgesamt 4480 humanitäre Organisationen aufgeführt, die im System aktiv sind.

Wer sich schnell einen Überblick über die Ergebnisse des Reports verschaffen will, dem sei der Summary Report mit seinen 30 Seiten empfohlen.