Liberia ist zum dritten (und wahrscheinlich nicht zum letzen) Mal Ebola frei

Die Weltgesundheitsorganisation hat am 9. Mai 2015 Liberia offiziell frei von Ebola erklärt, nachdem 42 Tage keine neuen Fälle mehr aufgetreten sind. Überall im Land fanden grosse „Ebola free“ Feste statt.

Nachdem neue Fälle aufgetreten waren, hat die Weltgesundheitsorganisation Liberia erneut am 3. September 2015 offiziell frei von Ebola erklärt. Die Freude darüber fiel schon geringer aus und es gab kaum mehr Feste.

Nachdem neue Fälle aufgetreten waren, hat die Weltgesundheitsorganisation Liberia erneut am 14. Januar 2016 offiziell frei von Ebola erklärt. Dies wurde im Radio bekannt gegeben, „Ebola free“ Feste fanden keine mehr statt.

Nachdem neue Fälle aufgetreten waren…. Halt!! Falsch!! Im Moment ist Liberia noch Ebola frei.

Das bis jetzt zweimalige Wiederkehren der Krankheit zeigt deutlich, dass man nicht davon ausgehen kann, dass es nicht auch weiterhin sporadisch weitere Fälle geben wird. Als Folge hat die Bevölkerung immer weniger Vertrauen in das bereits vor der Ebolaepidemie schwache Gesundheitssystem, Krankheiten werden lange außerhalb bestehender Gesundheitseinrichtungen „behandelt“. Die Folge sind schwerkranke Patienten, denen oft nicht mehr geholfen werden kann.

Liberia hat noch einen langen Weg vor sich, um ein funktionierendes Gesundheitssystem auf die Beine zu stellen. Hoffentlich wird es dabei von der internationalen Gemeinschaft nicht vergessen.

Dreifache Bewährungsprobe für die humanitäre Hilfe

Trockenheit und Überschwemmungen im Zusammenhang mit El Nino führen derzeit dazu, dass weltweit bis zu 100 Millionen Menschen aufgrund von Nahrungsmittel- und Wassermangel in Not sind. Hilfsorganisationen schlagen Alarm. Es bahnt sich eine dreifache Bewährungsprobe für die humanitäre Hilfe an:

Erstens: Wird es gelingen, diesmal rechtzeitig Hilfe zu mobilisieren? Bereits viele Male -und zuletzt im Jahr 2011 am Horn von Afrika- haben erst die schockierenden Bilder westlicher Journalisten aus den Krisengebieten zu Hilfe im erforderlichen Ausmaß geführt. Anschließend war das Klagen über die eigenen Unzulänglichkeiten im System der internationalen humanitären Hilfe groß. Nun wird sich zeigen, ob es Veränderungen im System gab und die Hilfe rechtzeitig dort ankommt, wo sie am dringendsten ist.

Zweitens: Werden ausreichend Mittel verfügbar sein? Wird es möglich sein, neben der politik- und medienrelevanten Großkrise Syrien, ausreichend Ressourcen für die Herausforderungen in Lateinamerika, in Asien und in Afrika zu mobilisieren?

Drittens: Werden die zahlreichen Maßnahmen zur Förderung der Resilienz und in der Katastrophenvorsorge Erfolge zeigen? Zum Beispiel sind allein in Äthiopien aktuell 10 Millionen Menschen betroffen. In dem Land wird seit Jahrzehnten internationale Hilfe geleistet. In den vergangenen Jahren wurde viel in ein großes Frühwarnsystem und zudem in Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz und zur Absicherung investiert (sog. Safety Nets). Die groß aufgelegten Programme galten als Prototypen für „bessere Hilfe“, die nicht nur reagiert, sondern vorbeugend wirkt. Nun muss sich zeigen, wie die Regionen und Bevölkerungsgruppen, die unmittelbar von den Maßnahmen profitiert haben, mit der Herausforderung zurecht kommen.

Schlechte Gewohnheiten

Die FAZ schreibt in einem Artikel über Details der üblichen Verfahren in der Finanzierung der internationalen humanitären Hilfe. Solche Beiträge sind selten in den großen Medien. Die sogenannte Flüchtlingskrise ist der Anlass. Es geht um die Kürzungen der Hilfsrationen in den Flüchtlingslagern in den Nachbarländern Syriens. Eine breitere Öffentlichkeit erfährt so, was schon lange allgemeine Praxis und hinlänglich bekannt ist: Die Hilfswerke müssen regelmäßig auf Geldsammeltour gehen und können nie länger als ein Jahr im Voraus planen. Und das selbst in Situationen, in denen jeder weiß, dass es dieselben Bedarfe über Jahre hinaus geben wird.

Diese Praxis wird niemand als gut bezeichnen. Sie hat sich jedoch etabliert und kommt vor allem den institutionellen Gebern entgegen (darunter auch der deutsche Bundesregierung). Sie müssen sich nämlich nicht verbindlich und langfristig festlegen. Die Praxis erlaubt ihnen, Etats für die humanitäre Hilfe flexibel zu halten. Dies auch, um in jedem Fall in der Lage zu sein, auf die medienwirksamen plötzlich auftretenden Naturkatastrophen reagieren zu können. Diese Praxis stellt Menschen in Kriegskontexten, die einen Anspruch auf humanitäre Hilfe haben, wie auch die Helfer, immer wieder vor enorme Herausforderungen.

Die Kürzungen der Rationen in den Nachbarländern Syriens sind nicht der erste Fall dieser Art. Nur haben solche Fälle bisher nicht die Aufmerksamkeit bekommen, wie dies hier der Fall ist. Ob nun eine Änderung der Verfahren zu erwarten ist? Der Autor des FAZ-Artikels ist skeptisch. Wenn man bedenkt, dass es bereits viele Apelle zur Reform der Finanzierungsverfahren gab, muss man befürchten, dass er Recht behalten wird.

Link: Wie der Hunger die Syrer in die Flucht trieb

Gastbeitrag: Thank you for witnessing! – Notizen aus Moria, Aufnahmezentrum in Lesbos/Griechenland

Es ist heiß im Juli auf Lesbos, einer griechische Insel nur 15km vom türkischen Festland entfernt. Um das Aufnahmelager Moria gibt es kaum Bäume, die vor der brennenden Sonne schützen könnten. Dieses Erstaufnahmelager, das nach der Schließung des berüchtigten Internierungslagers Pagani von EU-Geldern gebaut worden ist, hat gerade mal Kapazitäten für 700 Menschen. Derzeit kommen aber fast 1000 Menschen pro Tag auf der Insel an, Moria ist folglich hoffnungslos überfüllt. Schon vor dem Zentrum, das mit seinen hohen Gittertoren und dem Stacheldraht eher an ein Gefängnis als an ein Aufnahmezentrum erinnert, hielten sich bei meiner Ankunft knapp 1000 Menschen auf. Die sowieso schon prekäre humanitäre Situation der ankommenden Menschen drohte in den letzten Wochen zu eskalieren, da die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern nicht mehr gewährleistet werden konnte.
Während uns eine Psychologin von Ärzte der Welt / Médecins du Monde ihre Arbeit in der Einrichtung erklärte, wurde es auf einmal sehr laut: Rufe der `Insassen´ und das Schlagen von Wasserflaschen gegen die Zäune unterbrachen unser Gespräch. Auf unsere Frage, was da gerade geschehe, wurde uns erklärt, dass es wieder einmal zu einem Engpass der Trinkwasserversorgung gekommen sei. Das passiere in letzter Zeit häufiger, da die staatlichen Strukturen mit der Situation völlig überfordert seien. Als der Tanklaster nach zwei Stunden endlich eintraf, rief ein Mann uns zu: „Thank you for coming! Thank you for witnessing!“
Dieser Ausruf konnte an dem Gefühl von Hilflosigkeit jedoch nichts ändern. Hilflosigkeit und vor allem Scham darüber, dass wir Europäer – vermeintliche Verfechter der Menschenwürde und des Humanismus – gerade den Menschen menschenunwürdige Bedingungen aufzwingen, die vor Gewalt und Zerstörung aus ihrer Heimat fliehen mussten. Der Großteil der auf Lesbos schutzsuchenden Menschen kommt aus Syrien, Afghanistan und anderen Kriegsgebieten. Viele nehmen eine gefährliche Route auf sich, die Jahre andauern kann und sie bis zur völligen Erschöpfung treibt, nur um dann an den Außengrenzen Europas um Wasser, sichere Unterbringung, Lebensmittel und medizinische Versorgung betteln zu müssen.
Vor ein paar Wochen diskutierte der Bundestag in mehreren Sitzungen über die Situation von Flüchtlingen in Griechenland sowie auch speziell von irakischen und syrischen Flüchtlingen auch außerhalb Europas. Die katastrophale Menschenrechtssituation in Eritrea wurde auch thematisiert und die Abgeordneten waren schockiert über die staatlichen Repressalien wie Sklaverei, Folter, Vergewaltigung und Hinrichtungen, denen die Bevölkerung wohl schon seit Jahren ausgesetzt wird (siehe: Aktuelle Stunde im Bundestag). Heute, fast sechs Wochen später, wird in Europa immer noch eine Quotendebatte zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland, Italien und direkt von Krieg betroffene Staaten geführt. Eine verbindliche Einigung ist nicht in Sicht; das Handeln wird wieder vertagt.
Es scheint als bestehe das Problem weniger in der Unwissenheit über die Situation der Menschen in ihren Herkunftsländern und in den europäischen Aufnahmelagern, als im Fehlen eines politischen Willens.
Thank you for witnessing- so naiv, und genau das macht es beschämend.

Sarah Hammerl, Teilnehmerin der Summer School „Cultures, Migrations, Borders 2015“ auf Lesbos/Griechenland.

Palmyra – Wird nicht mehr als nur das UNESCO-Weltkulturerbe zerstört?

Seit einigen Tagen berichten deutsche Medien über den Vormarsch und nun die Einnahme von Palmyra durch die IS-Kämpfer. Oft wird als einzige weitere Information dazu erwähnt, dass man große Befürchtungen hat, dass die Islamisten auch diese antiken Stätten zerstören werden, die aus dem ersten Jahrhundert nach Christus stammen und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.
Selten bzw. oft nur als weitere, sekundäre Nachricht zu Palmyra wird berichtet, dass mehr als 50.000 Menschen in dieser Stadt leben, die nun alle den Gräueltaten der IS-Kämpfer ausgesetzt sind. Auch die tagelange Bombardierung von Palmyra mit vielen Toten und Verletzten vor der Einnahme der Stadt ist nicht immer eine Nachricht wert.
Es steht nicht in Frage, dass die Information zu einer möglichen Zerstörung des UNESCO-Weltkulturerbes eine Meldung wert ist. Was aber irritierend daran ist, ist deren Gewichtung. Anscheinend gab es im Syrienkrieg so viele schreckliche Meldungen, dass diese in den Nachrichten nur noch zweitrangig Erwähnung finden.
Eine Aufgabe des Journalismus ist aber, uns diese nicht vergessen zu machen.

Liberia ist Ebola frei – (K)ein Grund zur Freude?

Am 9. Mai 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation Liberia offiziell frei von Ebola erklärt, nachdem 42 Tage keine neuen Fälle mehr aufgetreten sind. Dies ist auf jeden Fall ein Grund zur Freude, nachdem auf dem Höhepunkt der Epidemie im August und September letzten Jahres mehr als 300 neue Ebolakranke pro Woche gemeldet wurden.
Allerdings kann auch Liberia erst dann völlig aufatmen, wenn die gesamte Region frei von Ebola sein wird. Derzeit gibt es in den Nachbarländern Sierra Leone und Guinea noch circa 10 neue Fälle pro Woche, allerdings in Regionen, die nicht an Liberia grenzen.
Und auch in Liberia selber ist nichts, wie es vor dem Ausbruch war. Einige Beispiele:
Die Schulen und Universitäten haben zwar nach einer 6-monatigen Zwangsschließung wieder offen, aber viele Eltern haben noch Angst, ihre Kinder wieder in die Schule zu schicken.
Die Gesundheitszentren sind meist wieder offen, haben aber oft so viel Personal durch Ebola verloren, dass sie nur einen reduzierten Service aufrecht erhalten können.
Noch dazu hat die liberianische Bevölkerung das Vertrauen in das staatliche Gesundheitssystem größtenteils verloren. Die Bevölkerung macht es oft dafür verantwortlich, dass sich der Virus letztes Jahr beinahe ungehindert bis zur Hauptstadt ausbreiten und dort dann verheerend wüten konnte. Als Folge meiden die Leute Gesundheitszentren, wo immer es nur geht. Dies sieht man daran, dass es dort kaum mehr Geburten gibt und Patientinnen und Patienten oft erst so spät kommen, dass man ihnen meist nicht mehr helfen kann.
Da in den letzen Monaten keine Impfungen durchgeführt wurden, breitet sich in der Hauptstadt gerade eine Masernepidemie aus. Eine Massenimpfaktion dagegen wurde aber von der Bevölkerung weitgehend gemieden, da die Angst zu groß ist, dass es sich dabei nur um einen Vorwand zum Test eines Ebolaimpfstoffes handeln könnte. Hier besteht wiederum die Angst, dass man sich durch einen Ebolaimpfstoff mit der Krankheit infizieren kann.
Zudem gibt es nun erstmals nach einer Ebolaepidemie eine relativ große Anzahl an Überlebenden. Diese leiden sehr oft unter gravierenden Folgeschäden der Krankheit, wie Blindheit und extreme Glieder- und Kopfschmerzen. Darüber hinaus sind sie oft die einzigen Überlebenden ihrer Familie, fühlen sich häufig allein gelassen, werden in ihren Gemeinden und Dörfern ausgegrenzt und leiden sehr oft unter Depressionen und posttraumatischen Stresssyndromen.

Jedes einzelne dieser Probleme wäre für ein Land mit einem bereits vor der Ebolaepidemie schwachen Gesundheitssystem eine große Herausforderung. Alle Probleme zusammen sind für Liberia allein kaum zu bewältigen.

Ebola – da war doch mal was… Ist da noch was?

Eine Woche nach dem Erdbeben in Nepal einen Blogbeitrag zu Ebola in Sierra Leone zu schreiben, wirkt fast fehl am Platz oder zumindest wie die Nachrichten von gestern. Trotzdem sollte sich nun nicht alle Aufmerksamkeit nach Nepal verschieben, denn auch wenn der Ausbruch hoffentlich fast vorbei ist, in den letzten zwei Monaten gab es wöchentlich nur noch um die 10 Neuerkrankungen, nachdem es zu Jahresanfang noch um die 500 waren, gibt es eben immer noch neue Fälle. Damit ist Ebola leider weiterhin präsent, eine potentielle Gefahr für die Bevölkerung und selbst die wenigen Fälle sind ein riesiger Stolperstein auf dem Weg zurück in die Normalität.

Die politische Aufmerksamkeit der sierra leonischen Regierung sowie der internationalen Geldgeber hat sich seit der Ebola-Konferenz in Brüssel Anfang März 2015, und spätestens seit der Frühjahrstagung von Internationalen Währungsfonds und Weltbank Mitte April auf die Űbergangshilfe gerichtet, dem sog. “Presidential Plan for Recovery and Transition”, der in Washington vorgestellt wurde. Damit sind ad hoc-Massnahmen in den Sektoren Gesundheit, Bildung, soziale Sicherung und Beschäftigungsförderung im Privatsektor gemeint. Diese Maßnahmen sollen bis Ende des Jahres umgesetzt werden und ca. 280 Millionen US Dollar kosten. Viele Geber versammeln sich hinter diesem Plan, allerdings ist bisher unklar, welchen Beitrag die Bundesregierung dazu leisten wird. Möglicherweise könnte ein Teil der kürzlich in den deutschen Medien angekündigten 200 Millionen Euro für Ebola-betroffene Länder hierunter fallen, Details zur Verwendung dieses Geldsegens fehlen jedoch.

Leider wird der politische Umschwung auch von einer veränderten Haltung gegenüber denen begleitet, die sich immer noch infizieren. Offizielle nennen sie in aller Öffentlichkeit “unverantwortliche Elemente”. Ganze Gruppen von Familien werden – angeblich zur medizinischen Untersuchung – durch die Stadt gefahren, nur um herauszufinden, dass man sie in einem entlegenen Trainingslager der Polizei einquartiert, wo sie die verbleibende Zeit ihrer Quarantäne verbringen müssen. Fairerweise muss man sagen, dass die meisten von ihnen diese Unterbringung nach der Űberwindung des ersten Schocks gar nicht so schlecht finden: drei warme Mahlzeiten täglich, fliessend Wasser an der Türschwelle, selbst neue Gebrauchtkleidung wird geliefert. Das sind oft deutlich bessere Bedingungen, als diese Slumbewohner/innen in ihrem Alltag haben. Dennoch beunruhigt die neue harte Hand der Behörden und es stellt sich die Frage, ob diese Herangehensweise das ersehnte Ziel des “getting to zero” wirklich näher bringt?

 

Mali ist Ebola frei – hoffentlich

Diese Woche, am 19. Januar 2015, hat der Gesundheitsminister Ousmane Koné Mali offiziell frei von Ebola erklärt, nachdem 42 Tage keine neuen Fälle mehr aufgetreten sind.

Als ich im November 2014 in Bamako, Malis Hauptstadt war, wusste man noch gar nicht, welche Richtung die Epidemie nehmen würde. Ein zweijähriges Mädchen war Ende Oktober im Süden des Landes verstorben, nachdem es sich im benachbarten Guinea mit Ebola angesteckt hatte. Der zweite Verdachtsfall Anfang November machte aber mehr Sorgen: Ein Patient aus Guinea war mit allen Anzeichen von Ebola gestorben, dies in einer der renommiertesten Klinken des Landes und nicht ohne vorher mit unzähligen Leuten in Kontakt gekommen zu sein.

Am Tag nachdem der Fall bekannt wurde, war die Liste der Kontaktpersonen schon auf weit über 400 angewachsen. Und auch in Mali war wieder einmal das Klinikpersonal und dessen Angehörige besonders betroffen und unter denen, die sich als erste ansteckten.

Nachdem im November 2014 das Frühwarnsystem zur Erkennung von Verdachtsfällen noch extrem verbesserungswürdig war, es im ganzen Land nur ein Isolationszentrum zur Behandlung von Verdachtsfällen gab, die Grenzen zu Guinea sehr porös waren und die Gesundheitszentren im Land nur unzureichend aufgeklärt und noch weniger mit Material ausgestattet waren, um angemessen auf Verdachtsfälle zu reagieren, bin ich über diese Nachricht heute sehr erleichtert.

Hoffentlich lassen all diese Anstrengungen, die seit November unternommen worden sind, nun nicht nach, und wir hören nie wieder über Ebolafälle in Mali.

Sibylle Gerstl

Ebola: Die Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft

Der aktuelle Ebola Ausbruch in Westafrika macht eine große Schwäche des internationalen humanitären Systems deutlich: Für manche Katastrophen fühlt sich keiner wirklich verantwortlich, und effektives Handeln ist Mangelware. „Stattdessen haben sich die Staaten zu einer internationalen Koalition der Untätigkeit zusammengetan“, so Dr. Joanne Liu, Internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen (MSF), in einer Rede vor den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (VN) am 2. September 2014.
Internationale Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation haben Monate lang die Verantwortung von sich geschoben, andere wie auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), ausgestattet mit umfangreichen Finanzmitteln, stimmen dem globalen Hilferuf verbal zu, fühlen sich aber nicht direkt betroffen oder aufgerufen. Einflussreiche Staaten, die über jetzt dringend benötigte Ressourcen verfügen, engagieren sich nicht oder viel zu spät – traurigstes Beispiel für uns: Deutschland. So werden private Hilfsorganisationen wie MSF nicht nur die primären Helfenden in akuten Krisensituationen, sondern müssen zusätzlich ihre schon überstrapazierten Ressourcen weiter ausreizen, um auf internationaler Ebene konkretes Handeln zu fordern.
Obwohl die Bill & Melinda Gates Stiftung eben 39 Millionen Euro für den Kampf gegen Ebola bereit gestellt hat und die US-Regierung endlich ehrgeizige Hilfspläne vorgestellt hat, bleiben die Reaktionen weiterhin träge, schwach und unkoordiniert. Vor Ort kommt davon zurzeit wenig an. Der Ebola-Erreger verbreitet sich währenddessen fast ungehindert mit zunehmender Geschwindigkeit und erschreckenden Ausmaß. Die Dunkelziffer der Infizierten wie der Verstorbenen ist vermutlich dramatisch. Schwerstkranke und sterbende Menschen müssen in den völlig überlasteten Ebola-Zentren in Monrovia abgewiesen werden – mit allen Konsequenzen, die das für sie selbst, ihre verzweifelten Angehörigen so wie für ihre Umgebung und die Stadt selber bedeutet.
Wo bleiben die Hilfe und die Solidarität der Weltgemeinschaft, die wir uns durch die VN, die WHO und etliche Abkommen der letzten 50 Jahren versprochen haben? Wo bleibt die aktive Mobilisierung der globalen Notfallmechanismen?
Hier die links:

http://www.msf.org/article/global-bio-disaster-response-urgently-needed-ebola-fight

Haben wir noch die Kapazitäten, um auf alle aktuellen Krisen zu reagieren?

Nachdem der Konflikt zwischen Staatspräsident Salva Kiir und seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar im Januar 2014 eskaliert ist, sind im Südsudan wieder einmal Menschen auf der Flucht.
Salva Kiir gehört der Ethnie der Dinka an, die mit knapp 20% die größte Volksgruppe im Südsudan darstellen. Riek Machar gehört zu den Nuer, der zweitgrößten Ethnie im Land. Schon immer fühlten sich die Nuer gegenüber den zahlenmäßig überlegenen Dinka benachteiligt, etwa bei der Zuteilung von Ämtern oder Arbeitsplätzen, aber auch von Weideland und Wasserquellen. Politische Loyalität war und ist im Südsudan so gut wie immer an ethnische Zugehörigkeit gekoppelt.

Das zur politischen ‚Theorie‘ – in der Realität sieht dies wie folgt aus:
Von den 11 Millionen Südsudanesen sind 1,3 Millionen im Land selber auf der Flucht, zusätzlich eine halbe Million befindet sich in den umliegenden Ländern wie Äthiopien, Kenia und Uganda. Somit sind knapp ein Fünftel der Bevölkerung nicht mehr in ihren Dörfern, können sich also unter anderem nicht um die Ernährungssicherung kümmern, und sind und werden somit auch in Zukunft auf externe Hilfe angewiesen sein.

Im August diesen Jahres war ich in den Flüchtlingslagern im Norden von Uganda. Knapp 50.000 Südsudanesen leben im Moment hier, die meisten sind Frauen, Alte und Kinder. Die Männer sind zum Kämpfen im Südsudan geblieben. Die Lager sind strikt nach Ethnien getrennt.
Verglichen mit andern Flüchtlingslagern ist die Versorgung mit den „basic needs“ hier recht gut. Mehrere Organisationen teilen sich die Gesundheitsversorgung, Lebensmittlerverteilung und den Bau und Erhalt von Wasserquellen und sanitären Einrichtungen. Die psychische Betreuung der Menschen ist aber auch hier nur sehr rudimentär vorhanden. Viele haben Angehörige zum Teil auf grausame Weise verloren, und für viele Menschen ist es die zweite oder gar dritte Flucht. In Flüchtlingslagern im Norden von Kenia aufgewachsen (Stichwort ‚Kakuma“ in „gut zu lesen“) waren sie nicht einmal zwei bis drei Jahre in ihrer Heimat, bevor sie erneut fliehen mussten.

Was für ein perspektivloses Leben, permanent auf externe Hilfe angewiesen zu sein und zu hoffen, dass der internationalen Staatengemeinschaft dafür das Geld nicht ausgeht!

Sibylle Gerstl