Schlag ein, der Handel gilt

Wir haben in den vergangenen Tagen viel vom WHS und damit von der Zukunft der humanitären Hilfe gelesen. In dem Zusammenhang wird seitens des UN High-Level Panel on Humanitarian Finance ein sogenannter großer Handel vorgestellt. Dabei geht es natürlich um Geld. An dem fehlt es stets in der humanitären Hilfe. Das kann man international an den VN Funding Appeals und in Deutschland an den kontinuierlichen Lobbybotschaften der NROs gegenüber der Bundesregierung nachverfolgen.

Nun lesen wir aus erlesener Feder, dass es vielleicht weniger am Geld sondern an der Effizienz fehle und dass es auch am Konkurrenzdenken der humanitären Akteure läge, wenn in den dringendsten humanitären Krisen nicht die Hilfe geleistet wird, die es bräuchte.

Die Vorschläge, die dann gemacht werden, sind meistens nicht neu, aber deshalb nicht unbedingt weniger richtig: „…less earmarking of funds by donors, joint needs assessments, harmonised reporting, joint procurement and increased use of cash as aid.”

Und nun zum konkreten Handel. Er schlägt eine Handelsfrist und ein konkretes Ziel vor: “By 2020, one quarter of humanitarian funding should go to local and national organisations directly and 30 percent of donor funds should be unearmarked.”

Wer schlägt ein? Wer verpflichtet sich? Die Bundesregierung? Das Auswärtige Amt überweist derzeit 0 Prozent der Finanzierungen an lokale Organisationen. Da wird es ein langer Weg zu 25 Prozent.

Und wie steht es mit den lokalen Kapazitäten, allein um die vielen Gelder zu absorbieren, geschweige denn sie effizienter umzusetzen als bisher? Und wieso sollen lokale Organisationen nicht in dieselben Konkurrenzmuster verfallen?

Was passiert also, wenn der Handel platzt? Meinungen dazu interessieren uns!

Wir freuen uns auch über weitere Ansichten/Gastbeiträge zu den Ergebnissen des WHS.

Mehr zum Thema: Kommentar von ODIArtikel des Guradian

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

One Response to Schlag ein, der Handel gilt

  1. Jürgen Clemens says:

    Platzt ein Handel, wenn eine Vereinbarung unter insgesamt 51 gegebenfalls nicht (vollständig) zustande kommt?
    Für mich ist der Grand Bargain sowie der WHS-Prozess mit der noch immer unvollendeten Reform des „globalen humanitären Systems“ letztendlich ein poitischer Prozess und keine wissenschaftliche Hypothese oder gar Theorie, welche mit einer einzigen Falsifizierung als widerlegt gilt. Auch ein Projekt-Logframe eines humanirtären Projekts – und damit das Projektziel – ist nicht zwangsläufig gescheitert, sofern ein Indiaktor unter mehreren nicht vollständig erfüllt würde.

    Konkret zum Grand Bargain: das kurz vor dem WHS-Gipfel fertiggestelte Dokument enthält 51 Einzelergebnisse bzw. „Commitments“, darunter das im Blog-Auftakt zitierte zur Finanzieungsquote für lokale Akteure.

    Die dem Blog-Auftakt beigefügten Quellen aus dem Januar 2016 konnten sicherlich die Ergebnisse von Istanbul sowie die Verpflichtungen etwa der Bundesregerung beim Gipfel im Mai 2016 noch nicht vorwegsehen. Zum Datum des Blogbeitrags am 2.Juni wäre aber sicher Gelegenenheit genug gewesen, hierzu etwa beim Auswärtigen Amt nachzufragen. Der Beitrag des Auswärtigen Amts etwa zur Harmonisierung und Vereinfachung von Geber-Regularien und -Berichten – gemeinsam mit dem INGO-Netzwerk ICVA – unterstützt zudem Vorstellungen der Mehrheit der deutschen humanitären Akteure, letztlich auch die Partnerarbeit einfacher und damit auch kosteneffizienter soie effektiver für die Zielgruppen gestalten zu können.
    Auch die Organisationsentwicklung für Partnerorganiatinen im globalen Süden stand wiederholt auf der Agenda, sie ist auch Bestandteil des finalen Grand Bargain Dokuments!
    Zudem könnte das deutsche Auswärtige Amt die Finazierungsquote für lokale Akteure auch erreichen, indem Zuwendungen an die VN-Agenturen entsprechend konditioniert werden, etwa für „Country based Pooled Funds“ auch für lokale Akteure, wiederum ein Vorschlag des Grand Bargain. Einige Geber bieten schon länger Gelder für lokale Akteure an und veranlassen interessanterweise NRO aus dem globalen Norden zur Überlegung, Ableger in Einsatzländern zu gründen, um auch dort Projektmittel akqurieren zu können.

    Dass dies insgesamt eine neue Wettbewerbssituation herbeiführen wird liegt auf der Hand. Wobei es den Wettbewerb um (!) lokale Partner und Personal schon länger gibt als den WHS – weshalb dann nicht auch den fairen Wettbewerb mit (!) lokalen Akteuren?

    Ich selber bin – wie zahlreiche KollegInnen aus deutschen NRO – gewiss nicht mit allem zufrieden was bem WHS-Gipfel in Istanbul beraten und mit – meist individuellen – Selbstverpflichtungen vereinbart wurde. Die oftmals sehr plakativen Statements bedürfen zudem einer kritischen Analyse und weiterer Advocacy- und Watchdog-Arbeit der NRO-Gemeinschaft und anderer Akteure. Andererseits sind NRO Teil des humanitären Systems und somit auch angehalten zur Lösung der unterschiedlichsten Probleme beizutragen. Ein „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ passt meines Erachtens nicht. Der WHS-Prozess mit dem Summit-Treffen war dafür ein wichtiger aber bestimmt kein abschließender Event.

    Dessen Bewertung kann meines Erachtens zudem nicht einfach mit einem „Daumen rauf oder runter“ und schon gar nicht alleine auf der Basis selektiv herausgegriffener Aspekte wie in diesem Blog-Auftakt erfolgen. Für die Beratung und Bewertung der WHS-Ergebnisse und deren Bedeutung für die zukünftige humanitäre Arbeit deutscher Akteure wird es bis zum Jahresende 2016 noch mehrfach Gelegenheit geben- Letztlich werden viele dieser Themen zudem unsere strategische und operative Arbeit sehr viel länger bestimmen. Denn wie der Blog-Auftakt richtig darstellt, wurden letztlch viele schon lange bekannte Fragen und Probleme aufgeworfen, die einer Lölsung bedürfen. Ob eine von manchen herbeigewünschte Revoluton des humanitären Systems wirkich (mit dem WHS-Gipfel) zu erwarten gewen wäre, wage ich zu bezweifeln.

    Anm. dies ist alleine meine private Einschätzung!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: