Schlechte Gewohnheiten

Die FAZ schreibt in einem Artikel über Details der üblichen Verfahren in der Finanzierung der internationalen humanitären Hilfe. Solche Beiträge sind selten in den großen Medien. Die sogenannte Flüchtlingskrise ist der Anlass. Es geht um die Kürzungen der Hilfsrationen in den Flüchtlingslagern in den Nachbarländern Syriens. Eine breitere Öffentlichkeit erfährt so, was schon lange allgemeine Praxis und hinlänglich bekannt ist: Die Hilfswerke müssen regelmäßig auf Geldsammeltour gehen und können nie länger als ein Jahr im Voraus planen. Und das selbst in Situationen, in denen jeder weiß, dass es dieselben Bedarfe über Jahre hinaus geben wird.

Diese Praxis wird niemand als gut bezeichnen. Sie hat sich jedoch etabliert und kommt vor allem den institutionellen Gebern entgegen (darunter auch der deutsche Bundesregierung). Sie müssen sich nämlich nicht verbindlich und langfristig festlegen. Die Praxis erlaubt ihnen, Etats für die humanitäre Hilfe flexibel zu halten. Dies auch, um in jedem Fall in der Lage zu sein, auf die medienwirksamen plötzlich auftretenden Naturkatastrophen reagieren zu können. Diese Praxis stellt Menschen in Kriegskontexten, die einen Anspruch auf humanitäre Hilfe haben, wie auch die Helfer, immer wieder vor enorme Herausforderungen.

Die Kürzungen der Rationen in den Nachbarländern Syriens sind nicht der erste Fall dieser Art. Nur haben solche Fälle bisher nicht die Aufmerksamkeit bekommen, wie dies hier der Fall ist. Ob nun eine Änderung der Verfahren zu erwarten ist? Der Autor des FAZ-Artikels ist skeptisch. Wenn man bedenkt, dass es bereits viele Apelle zur Reform der Finanzierungsverfahren gab, muss man befürchten, dass er Recht behalten wird.

Link: Wie der Hunger die Syrer in die Flucht trieb