Auf der Suche nach Innovation

Am 17. und 18. Juli fand die zweite Ausgabe der Facilitating Innovation Konferenz des Humanitarian Innovation Projects in Oxford statt. Dieses Jahr war die Veranstaltung Teil der Vorbereitung des World Humanitarian Summit. Innovation ist dort der vierte von vier Schwerpunkten.

In den ehrwürdigen Hallen des Keble College wurde viel darüber diskutiert, welche institutionellen Rahmenbedingungen Innovation braucht: Braucht meine Organisation eine Innovation Unit so wie MSF, Unicef und UNHCR sie haben? Gleichzeitig gab es Panel, die sich mit der sehr relevanten Frage beschäftigten, wie man eine Organisationkultur beeinflussen kann, in der Kreativität und Innovation Raum haben. Leider sprachen die Panellisten von namhaften Hilfsorganisationen hauptsächlich darüber, wie ihre Organisationen sich im Laufe der Jahrzehnte aufgrund sich verändernder Rahmenbedingungen gewandelt haben. Sicherlich keine Innovation.

Dann gab es natürlich die unverzichtbaren technischen Weiterentwicklungen, die alt bekannte Lösungen in frischem Gewand präsentieren (so zum Beispiel neue Shelter-Modelle für Flüchtlingslager). Dass nun auch Smartphones Teil von humanitären Hilfsprogrammen sind, kann man als Innovation bezeichnen, oder einfach als Teil der permanenten technischen Weiterentwicklung. Diese gab es schon immer, wie der Hinweis eines Historikers auf die Automatisierung von Suppenküchen im 18. Jahrhundert belegte.

Und so bekam man den Eindruck, dass hier ein Sektor ein Thema in aller Ruhe von Grund auf erkundet, ohne sich viel darum zu kümmern, dass dieses Thema in anderen Sektoren, vor allem in der Privatwirtschaft, längst umfassend untersucht und bearbeitet wird. Zwar wussten viele zu berichten, dass Google und Microsoft wohl keine Innovation Unit haben, da Innovation dort Teil des Selbstverständnisses sei. Ansonsten war auf der Konferenz die Suche nach Wissenstransfer aus dem Privatsektor mühsam.

Vielleicht braucht es einfach (noch) mehr Zeit, bis Innovation, Kreativität und zukunftsorientierter Wandel im humanitären Sektor keine Exoten mehr sind, sondern selbstverständlicher Bestandteil des Systems. Bis dahin lohnt es sich durchaus, sich weiter zu dem Thema zu treffen. Zumal man in Oxford motivierte humanitäre Helferinnen und Helfer aus aller Welt sowie institutionelle Geber und Forscherinnen und Forscher treffen konnte, die alle ein großes Interesse an der Weiterentwicklung des Systems verbindet.

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

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