Liberia ist Ebola frei – (K)ein Grund zur Freude?

Am 9. Mai 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation Liberia offiziell frei von Ebola erklärt, nachdem 42 Tage keine neuen Fälle mehr aufgetreten sind. Dies ist auf jeden Fall ein Grund zur Freude, nachdem auf dem Höhepunkt der Epidemie im August und September letzten Jahres mehr als 300 neue Ebolakranke pro Woche gemeldet wurden.
Allerdings kann auch Liberia erst dann völlig aufatmen, wenn die gesamte Region frei von Ebola sein wird. Derzeit gibt es in den Nachbarländern Sierra Leone und Guinea noch circa 10 neue Fälle pro Woche, allerdings in Regionen, die nicht an Liberia grenzen.
Und auch in Liberia selber ist nichts, wie es vor dem Ausbruch war. Einige Beispiele:
Die Schulen und Universitäten haben zwar nach einer 6-monatigen Zwangsschließung wieder offen, aber viele Eltern haben noch Angst, ihre Kinder wieder in die Schule zu schicken.
Die Gesundheitszentren sind meist wieder offen, haben aber oft so viel Personal durch Ebola verloren, dass sie nur einen reduzierten Service aufrecht erhalten können.
Noch dazu hat die liberianische Bevölkerung das Vertrauen in das staatliche Gesundheitssystem größtenteils verloren. Die Bevölkerung macht es oft dafür verantwortlich, dass sich der Virus letztes Jahr beinahe ungehindert bis zur Hauptstadt ausbreiten und dort dann verheerend wüten konnte. Als Folge meiden die Leute Gesundheitszentren, wo immer es nur geht. Dies sieht man daran, dass es dort kaum mehr Geburten gibt und Patientinnen und Patienten oft erst so spät kommen, dass man ihnen meist nicht mehr helfen kann.
Da in den letzen Monaten keine Impfungen durchgeführt wurden, breitet sich in der Hauptstadt gerade eine Masernepidemie aus. Eine Massenimpfaktion dagegen wurde aber von der Bevölkerung weitgehend gemieden, da die Angst zu groß ist, dass es sich dabei nur um einen Vorwand zum Test eines Ebolaimpfstoffes handeln könnte. Hier besteht wiederum die Angst, dass man sich durch einen Ebolaimpfstoff mit der Krankheit infizieren kann.
Zudem gibt es nun erstmals nach einer Ebolaepidemie eine relativ große Anzahl an Überlebenden. Diese leiden sehr oft unter gravierenden Folgeschäden der Krankheit, wie Blindheit und extreme Glieder- und Kopfschmerzen. Darüber hinaus sind sie oft die einzigen Überlebenden ihrer Familie, fühlen sich häufig allein gelassen, werden in ihren Gemeinden und Dörfern ausgegrenzt und leiden sehr oft unter Depressionen und posttraumatischen Stresssyndromen.

Jedes einzelne dieser Probleme wäre für ein Land mit einem bereits vor der Ebolaepidemie schwachen Gesundheitssystem eine große Herausforderung. Alle Probleme zusammen sind für Liberia allein kaum zu bewältigen.

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