Ebola – da war doch mal was… Ist da noch was?

Eine Woche nach dem Erdbeben in Nepal einen Blogbeitrag zu Ebola in Sierra Leone zu schreiben, wirkt fast fehl am Platz oder zumindest wie die Nachrichten von gestern. Trotzdem sollte sich nun nicht alle Aufmerksamkeit nach Nepal verschieben, denn auch wenn der Ausbruch hoffentlich fast vorbei ist, in den letzten zwei Monaten gab es wöchentlich nur noch um die 10 Neuerkrankungen, nachdem es zu Jahresanfang noch um die 500 waren, gibt es eben immer noch neue Fälle. Damit ist Ebola leider weiterhin präsent, eine potentielle Gefahr für die Bevölkerung und selbst die wenigen Fälle sind ein riesiger Stolperstein auf dem Weg zurück in die Normalität.

Die politische Aufmerksamkeit der sierra leonischen Regierung sowie der internationalen Geldgeber hat sich seit der Ebola-Konferenz in Brüssel Anfang März 2015, und spätestens seit der Frühjahrstagung von Internationalen Währungsfonds und Weltbank Mitte April auf die Űbergangshilfe gerichtet, dem sog. “Presidential Plan for Recovery and Transition”, der in Washington vorgestellt wurde. Damit sind ad hoc-Massnahmen in den Sektoren Gesundheit, Bildung, soziale Sicherung und Beschäftigungsförderung im Privatsektor gemeint. Diese Maßnahmen sollen bis Ende des Jahres umgesetzt werden und ca. 280 Millionen US Dollar kosten. Viele Geber versammeln sich hinter diesem Plan, allerdings ist bisher unklar, welchen Beitrag die Bundesregierung dazu leisten wird. Möglicherweise könnte ein Teil der kürzlich in den deutschen Medien angekündigten 200 Millionen Euro für Ebola-betroffene Länder hierunter fallen, Details zur Verwendung dieses Geldsegens fehlen jedoch.

Leider wird der politische Umschwung auch von einer veränderten Haltung gegenüber denen begleitet, die sich immer noch infizieren. Offizielle nennen sie in aller Öffentlichkeit “unverantwortliche Elemente”. Ganze Gruppen von Familien werden – angeblich zur medizinischen Untersuchung – durch die Stadt gefahren, nur um herauszufinden, dass man sie in einem entlegenen Trainingslager der Polizei einquartiert, wo sie die verbleibende Zeit ihrer Quarantäne verbringen müssen. Fairerweise muss man sagen, dass die meisten von ihnen diese Unterbringung nach der Űberwindung des ersten Schocks gar nicht so schlecht finden: drei warme Mahlzeiten täglich, fliessend Wasser an der Türschwelle, selbst neue Gebrauchtkleidung wird geliefert. Das sind oft deutlich bessere Bedingungen, als diese Slumbewohner/innen in ihrem Alltag haben. Dennoch beunruhigt die neue harte Hand der Behörden und es stellt sich die Frage, ob diese Herangehensweise das ersehnte Ziel des “getting to zero” wirklich näher bringt?

 

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

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