Es gab noch nie genug Geld

Die Initiative Global Humanitarian Assistance der Organisation Development Initiatives beschäftigt sich mit der Finanzierung der humanitären Hilfe. In dem jüngsten Think Piece von GHA heißt es, dass es noch nie genügend Geld für die humanitäre Hilfe gab. Schon immer gab es Bedarfe, für die es kein oder nicht ausreichend Geld gab. Schon immer hat die internationale Gemeinschaft versucht, dieses Problem zu lösen. Bisher vergeblich.

GHA weist wie bereits in vorherigen Papieren auf bekannte Schwächen im Finanzierungssystem hin: Finanzierungen passen nicht zu den Bedarfen, humanitäre Mittel zielen auf die Symptome der Krisen ab, aber nicht auf die Ursachen, humanitäre Gelder kommen zu spät, sind zu kurzfristig und zu unflexibel, und so weiter. Einen überzeugenden Lösungsansatz findet man in dem Papier nicht.

Da die Knappheit der Mittel schon immer eine Realität in der humanitären Hilfe ist, gibt es auch schon lange Ansätze, wie man mit dieser Realität umgehen kann. Zum Beispiel die Verwendung des Ansatzes des Deckungsgrades als Qualitätskriterium (im Englischen Coverage). Die Knappheit der Mittel erfordert bewusste Entscheidungen für oder gegen Interventionen sowie für oder gegen bestimmte Zielgruppen. Entscheider müssen also festlegen, nach welchen Kriterien und auf welcher Entscheidungsgrundlage sie diese bewussten Entscheidungen treffen.

Notärzte wissen genau, was zu tun ist, wenn sie bei einem Großeinsatz nicht allen Verletzten gleichzeitig helfen können. Sie haben klar festgelegte Kriterien. Auch medizinische Nothilfeorganisationen treffen entsprechende Abwägungen für und gegen Interventionsalternativen. In der internationalen humanitären Hilfe dagegen wird oft pauschal auf die Bedarfsorientierung hingewiesen, ohne genau zu sagen, wie die vielfältigen Bedarfe abgewogen werden. Die humanitären Ziele Leben zu retten und ein Überleben in Würde zu gewähren, erscheinen dabei für diese Abwägungen als wenig geeignete Entscheidungshilfen.

Die Erkenntnis, dass es noch nie genug Geld gab –und auch nie genug geben wird -, kann also nur zur Konsequenz haben, dass die Entscheidungsträger in der humanitären Hilfe offener und ehrlicher Auskunft geben über ihre Abwägungen des Für und Wider von humanitären Interventionen.

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: