Wirkungstransparenz oder Weihnachtspräsenz?

Am 28. November 2014 veröffentliche Spiegel-Online pünktlich zum Beginn der für Spenden lukrativen Weihnachtszeit die “Rangliste der 50 Top-Spendenorganisationen”. Der Liste liegt eine Studie zur „Wirkungstransparenz“ zugrunde. Die Organisation Phineo untersuchte anhand von öffentlich zugänglichen Informationen von Nichtregierungsorganisationen, wie transparent diese ihre Wirkung darstellen.

Schön ist, dass die Arbeit gemeinnütziger Organisationen von einer externen Organisation anhand von Kriterien betrachtet wird. Gerne hätte man auch die zentralen Aussagen der Studie in der Onlinepresse gesehen. Sie sind spannend, verschwinden aber hinter dem Ranking.

Zu unterstützen ist das Anliegen, das Thema Wirkungsbeobachtung auf die Agenda zu bringen. Die Studie betont, dass hier einiges im Argen liegt. Man hofft, über die Öffentlichkeit mehr Bewusstsein für Wirkungen in der Arbeit der Organisationen zu schaffen.

Untersuchung, Bewertung und Veröffentlichung haben ein wesentliches Versäumnis: Anstatt sich direkt mit den Menschen, um die es bei der Arbeit der Organisationen geht, zu beschäftigen, hat man sich allein mit Internetseiten und weiteren öffentlichen Quellen befasst. Weder die Zielgruppen der Organisationen noch deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden befragt.

Phineo und Spiegel-Online weisen nicht einmal darauf hin, dass Wirkungsbeobachtung sowohl bei als auch mit den Menschen, die Inhalt, Ziel und Zweck der Arbeit der Organisationen sind, notwendig ist. Das kann dazu führen, dass die Hilfsorganisationen in Zukunft noch mehr Zeit, Geld und Energie in ihre Außendarstellung investieren. Wer im Wettlauf um die Topplätze in Weihnachtsrankings und den damit verbundenen Spendensummen nach oben kommen möchte, wird nicht systematische oder gar unabhängige externe Wirkungsbeobachtung in fernen Ländern in Auftrag geben. Bei der vorliegenden Studie kann man schon mit gut formulierten Zielen, Strategien und Visionen punkten. Wer den schönsten Bericht schreibt, bekommt am Ende das meiste Geld.

Die Veröffentlichung dieser Rangliste dient vor allem den Hilfsorganisationen, die sich oben auf der Liste finden und den Spendern, die nun schauen können, bei welcher Top-Ranking-Organisation sie ruhigen Gewissens spenden können. Ob mit dieser Studie auch den Menschen, um die es geht, besser geholfen wird, erscheint fraglich. Dabei ist es doch das, was Spiegel-Online und Phineo eigentlich wollen.

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Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

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