Gastbeitrag: Humanitärer Einsatz in der Zentralafrikanischen Republik

Der Gewaltausbruch in Bangui letzte Woche zeigt eindrücklich, dass die humanitäre Krise in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) leider unvermindert andauert, auch wenn wir sie wegen Ebola und den Problemen in Irak und Syrien vielleicht etwas aus den Augen verloren haben. Bewaffnete Gewalt und zunehmende Kriminalität sind permanente Gefahren für die Bevölkerung in einem Umfeld, wo der Staat so wie gut abwesend ist. Die Präsenz der ausländischen Truppen sorgt durchaus für eine gewisse Stabilität in einigen Teilen des Landes, aber sobald sich die Truppen zurückziehen, flammt die Gewalt praktisch unweigerlich wieder auf.

Dazu kommen die Auswirkungen der allgemeinen Unterentwicklung des Landes. Sehr wenig funktionierende Infrastruktur, unter anderem im medizinischen Bereich, auch in den größeren Städten. Wirtschaftliche Schwierigkeiten auch weil der Handel in vielen Gegenden und auf vielen Hauptstraßen wegen der Kämpfe und Unsicherheit weitgehend zum Erliegen gekommen ist.

Humanitärer Einsatz sieht sich de facto sowohl mit den Auswirkungen des Konflikts als auch dem Mangel an Entwicklung konfrontiert. Die Sicherheitsprobleme dauern an und viele NGOs tun sich nach wie vor schwer, eine wirksame Präsenz in Gegenden aufzubauen, die besonders vom Konflikt betroffen sind, wie zum Beispiel die Provinz Ouaka (Hauptstadt Bambari), in der die eh schon begrenzte medizinische Infrastruktur weitgehend zusammengebrochen ist.

Arbeiten unter diesen Umständen braucht vor allem Erfahrung im Sicherheits- und Risikomanagement. Ausgebildetes Personal, das weitergehend autonom Projekte in entlegenen Konfliktgebieten managen kann, inklusive Kontakte aufbauen, Sicherheitsmanagement, komplizierte und teure Logistik. Und vor allem auch ein klares Bekenntnis und eine Arbeitsweise, die den humanitären Prinzipien entsprechen. Dies ist ein längerfristiges Investment, welches mit vielen Risiken verbunden ist.

Dieses verlangt allen Organisationen enorm viel ab. Aber wir alle in diesem Sektor müssen uns der Herausforderung stellen, um in andauernden Konflikten wie ZAR handlungsfähig und relevant zu bleiben, und das nicht nur in den relativ sicheren Hauptstädten, sondern auch in ländlichen Gebieten, die oft am unmittelbarsten von der Gewalt betroffen sind.

Abgesehen von der konkreten Hilfe die wir leisten, vermittelt unsere Präsenz für die Menschen in entlegenen Dörfern, die oft Monate in den Busch geflohen waren, ein Mindestmaß an Sicherheit und die Chance sicherzustellen, dass ihre Babies nicht an Malaria sterben. Dies stellt hohe Erwartungen an uns. Ich hoffe, dass so viele deutsche NGOs wie möglich sich dieser Herausforderung stellen. Und dass sie die dafür nötige Unterstützung durch Geber wie die Bundesregierung bekommen.

Florian Westphal, Geschäftsführer von MSF/Ärzte ohne Grenzen in Deutschland

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