Südsudan – schreckliche Lebensbedingungen für Vertriebene

Gastbeitrag von Karin Model,  World Vision Deutschland

Vom 11 bis 14 Juni 2014 hatte ich die Gelegenheit im Rahmen einer Projektreise in den Südsudan das UNMISS-Gelände in Malakal im Norden des Landes zu besuchen. Nachdem die Hauptstadt des Nordens von Militär und Rebellen zuerst heiß umkämpft und dann dem Erdboden gleichgemacht wurde, hat sich die überlebende Bevölkerung auf das UN-Gelände in der Nähe der Stadt geflüchtet. Seitdem hausen dort tausende Vertriebene auf dichtest gedrängtem Raum und wissen nicht, wohin sie gehen sollen. Noch ist es zu gefährlich, wieder in ihre Stadt zurückzukehren, da jederzeit neue Kampfhandlungen ausbrechen können.

Schon allein der Flug in einer kleinen Maschine vom World Food Programme von Juba, der Hauptstadt des Südsudans, nach Malakal, der einst wunderschönen Stadt am Nil, war einigermaßen abenteuerreich. Die Fahrt vom Flughafen dauerte ungefähr eine Stunde, obwohl die Strecke nur ein paar Kilometer lang ist. Bereits vor dem UNMISS-Gelände konnte man die angespannte Atmosphäre wahrnehmen. Da das Areal buchstäblich aus allen Nähten platzt, hat sich eine geringe Anzahl von Vertriebenen bereits vor dem Gelände niedergelassen, teilweise hausen die Menschen in Abwasserkanälen. Der Gestank und auch die Fliegen waren mehr und mehr wahrzunehmen, je näher wir an das geschützte UN-Gelände kamen. Auch die Hitze mit über 40 Grad erschwert die Lebensbedingungen in den Lagern und setzte mir auch einigermaßen zu.

Da niemand mit so einem großen Ansturm an Vertriebenen gerechnet hatte, sind die Bedingungen, unter denen die Menschen leben, kaum zu beschreiben. Durch die bereits verfrüht eingesetzte Regenzeit leben die Menschen in einer Schlammbrühe in selbst zusammengebauten Unterkünften. Es gibt zu wenige Latrinen und Waschmöglichkeiten, kaum Plätze für Kinder, wo diese spielen können. Es ist unglaublich, dass diese Situation bereits Monate lang andauert. Die internationale Bereitschaft arbeitet zurzeit an der Eröffnung eines neuen Areals, wo bereits Abwassergräben und sanitäre Einrichtungen errichtet wurden. World Vision ist eine der vielen Organisationen, die dort tätig sind. Seit Januar leben unsere Mitarbeitenden in Zelten auf dem Gelände und stellen Nahrungsmittel, sanitäre Einrichtungen und vor allem so genannte „Child Friendly Spaces“ zur Verfügung. Das sind Zelte, wo Kinder betreut werden und gemeinsam spielen können. Gummistiefel, die die Gefahr vor Seuchen und Verletzungen mindern können, fehlen aber noch viel zu oft.

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

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