The ‚new normal‘: Humanitäre Hilfe in einer immer zerbrechlicheren Welt

In einem beeindruckenden Statement, erschienen am 15. Juli 2014 im „Guardian“, fordert Kristalina Georgieva, Kommissarin für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der EU, die internationale Gemeinschaft auf, schneller auf humanitäre Katastrophen zu reagieren und flexibler Hilfe zuzusichern. Auslöser ihres Artikels ist die erschreckende Nachricht, dass 800.000 afrikanische Flüchtlinge aufgrund fehlender Finanzmittel beim Welternährungsprogramm (WFP) und VN Hilfswerk für Flüchtlinge (UNHCR) stark reduzierte Lebensmittelrationen erhalten.

Sie betont, dass die Ausgaben für humanitäre Hilfe zwar weltweit gestiegen sind, die internationale Gemeinschaft aber gleichzeitig vor immer größer werdenden humanitären Herausforderungen steht und die bisherige Finanzierung daher nicht ausreicht. Weltweit befinden sich 51 Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, und die vergessenen Krisen in Syrien, dem Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik fordern mehr humanitäre Hilfe als je zuvor. Georgieva weist eindrücklich darauf hin, dass durch Klimawandel, fragile Staaten, Bevölkerungswachstum und Terrorismus dieser aktuelle Zustand als „new normal“ definiert werden muss, so dass die internationale Gemeinschaft besser, flexibler und schneller auf humanitäre Katastrophen reagieren kann.

In ihrem Artikel formuliert sie drei zentrale Forderungen: Die Geber müssen in akuten Krisensituationen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, um eine Grundversorgung der Menschen in Not sicher zu stellen. Zweitens bedarf es einer besseren Koordinierung der knappen Ressourcen und einer effizienteren Absprache zwischen den verschiedenen Akteuren. Drittens betont sie, dass Regierungen von hilfebedürftigen Staaten besser mit den Geldgebern zusammen arbeiten müssen, um humanitäre Hilfe ohne Umwege und zu möglichst geringen Kosten umsetzen zu können. Alles eher nicht neu, aber essentiell – und hoffentlich lesen die VN mit! Kristalina Georgieva betont jedoch auch, dass humanitäre Hilfe nicht die Lösung aller Probleme sein kann und gerade in einer immer fragiler werdenden Welt nicht die langfristige Planung zur Krisenprävention in den Bereichen Sicherheit, Entwicklung und Diplomatie ersetzen kann. Es ist zu hoffen, dass ihr Appell in der Praxis Anklang findet. Neue Wege müssen eingeschlagen werden, um der unermesslichen Not von Menschen auf der Flucht und in Krisen schneller und effizienter begegnen zu können.

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

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