Großer Bahnhof für Resilienz – Bericht vom EU-Forum in Brüssel

Am 28. April fand in Brüssel das erste EU- Forum zum Thema Resilienz statt. 120 Teilnehmende konnten vielfache Bekenntnisse zur Resilienz zu hören, so etwa von der EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristina Georgieva („Resilience will continue to be a priority.“) und von der Leiterin des UNDP, Helen Clark.

Das Forum war auch eine Art Marktplatz, wo man sich über die praktischen Anwendungen des Resilienz-Konzeptes informieren konnte. Dies war ein effektives Format, da es einen lebendigen Austausch zwischen den Teilnehmenden ermöglichte. Inhaltlich konnte man feststellen, dass einem öfters alte Schuhe als neue Mode angeboten wurden.

Auffällig war die unterschiedliche Anwendung des Konzeptes. Für die großen Institutionen, wie die VN, die Weltbank und die EU scheint das Konzept hilfreich zu sein, um einheitliche Ziele für verschiedene Arbeitsbereiche zu formulieren und systemübergreifend zu arbeiten. Die Durchführungsorganisationen wenden Resilienz dagegen eher auf der Programmebene an und formulieren konkrete Projektziele dazu.

Das Forum hat gezeigt, dass das Konzept nicht mehr grundsätzlich in Frage gestellt wird. Das kann man positiv sehen, als es damit ein Bekenntnis für flexibel ausgestaltete Hilfe und längerfristiges Engagement von höchster Stelle gibt. Anstatt wie noch in der jüngeren Vergangenheit das Ob und das Wie von Resilienz zu diskutieren, ging es in Brüssel um Fragen, wie Erfolge des Konzeptes gemessen werden können.

Letztendlich konnte die sehr optimistische Atmosphäre des Forums nicht darüber hinwegtäuschen, dass es weiterhin viele offene Fragen und Herausforderungen gibt. Kommissarin Georgieva wies selbst und erneut darauf hin, dass es auch heute noch immer leichter ist, Aufmerksamkeit (und damit Gelder!) nach Ausbruch einer humanitären Krise zu erhalten, als für Prävention und für ein langfristiges Engagement.

Auch die ewige Frage, wie es sich mit Nothilfeaktivitäten verhält, die aufgrund ihrer Modalitäten (schnell, gratis, ohne viel Beteiligung der Betroffenen) Resilienzziele unterlaufen können, blieb unbeantwortet.

Es wird wahrscheinlich im kommenden Jahr ein weiteres Forum geben. Die EU hat sich mit dem Thema Resilienz weit aus dem Fenster gelehnt. Spätestens beim kommenden Forum müssen dann auch konkretere Ergebnisse präsentiert werden.

Weiterführende Links zu der Veranstaltung hier:

First-of-its-kind Forum

Press release on resilience (April 2014)

 

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

One Response to Großer Bahnhof für Resilienz – Bericht vom EU-Forum in Brüssel

  1. M. Blauth says:

    Es gibt einen sehr interessanten Vortrag aus der Frankfurter Ringvorlesung: Die umkämpfte Psyche – Zur Rekontextualisierung psychischen Leids im Kapitalismus von medico international gehört.
    Der Titel ist: Die Politik der Resilienz – Die psychische Stärkung des Westens nach 9/11
    Referent: Prof. Dr. José Brunner, Tel Aviv
    Nachzuhören hier: http://www.medico.de/themen/psychosoziales/dokumente/die-umkaempfte-psyche/4585/

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