Humanitäre Helfer leben gefährlich

Wie sich die Angriffe auf humanitäre Helferinnen und Helfer von 2000 bis 2012 entwickelt haben, wird akribisch in einem Bericht aufgelistet, der inzwischen in der 4. Auflage vorliegt. Dieser „Aid Worker Security Report“ bezieht seine Daten aus der „Aid Worker Security Database (AWSD)“, ein Projekt der Organisation „Humanitarian Outcomes“, das von den Regierungen Kanadas, Irlands und der USA unterstützt wird.
Der aktuelle, Ende 2013 erschienene Bericht fasst die Trends zusammen: 2012 wurden in 19 Ländern bei 167 gewaltsamen Angriffen auf Hilfspersonal 67 Helfer getötet, 115 schwer verletzt und 92 entführt. Von den 274 Betroffenen waren 225 lokale und 49 internationale Kräfte. Die meisten Überfälle im Jahr 2012 fanden in den Ländern Afghanistan, (56), Südsudan (21), Syrien (18), Somalia (17) und Pakistan (17) statt.
Seit 2009 hat sich die Zahl des gekidnappten Hilfspersonals vervierfacht – von 23 Helfern 2005 auf 92 2012, und der finanzielle und personelle Aufwand für ein Krisenmanagement bei den Hilfsorganisationen steigt entsprechend. Im Zeitraum 2000 bis 2012 verzeichnet der Bericht 952 getötete Helferinnen und Helfer, wobei die Jahre 2008 (127) und 2009 (107) den traurigen Rekord halten. Afghanistan, Pakistan, Südsudan und Somalia bleiben auch 2012 für humanitäre Operationen die Länder mit dem höchsten Gewaltkontext.
Der Bericht 2013 mit dem Titel „The New Normal: Coping with the kidnapping threat“ kann HIER heruntergeladen werden.

Großer Bahnhof für Resilienz – Bericht vom EU-Forum in Brüssel

Am 28. April fand in Brüssel das erste EU- Forum zum Thema Resilienz statt. 120 Teilnehmende konnten vielfache Bekenntnisse zur Resilienz zu hören, so etwa von der EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristina Georgieva („Resilience will continue to be a priority.“) und von der Leiterin des UNDP, Helen Clark.

Das Forum war auch eine Art Marktplatz, wo man sich über die praktischen Anwendungen des Resilienz-Konzeptes informieren konnte. Dies war ein effektives Format, da es einen lebendigen Austausch zwischen den Teilnehmenden ermöglichte. Inhaltlich konnte man feststellen, dass einem öfters alte Schuhe als neue Mode angeboten wurden.

Auffällig war die unterschiedliche Anwendung des Konzeptes. Für die großen Institutionen, wie die VN, die Weltbank und die EU scheint das Konzept hilfreich zu sein, um einheitliche Ziele für verschiedene Arbeitsbereiche zu formulieren und systemübergreifend zu arbeiten. Die Durchführungsorganisationen wenden Resilienz dagegen eher auf der Programmebene an und formulieren konkrete Projektziele dazu.

Das Forum hat gezeigt, dass das Konzept nicht mehr grundsätzlich in Frage gestellt wird. Das kann man positiv sehen, als es damit ein Bekenntnis für flexibel ausgestaltete Hilfe und längerfristiges Engagement von höchster Stelle gibt. Anstatt wie noch in der jüngeren Vergangenheit das Ob und das Wie von Resilienz zu diskutieren, ging es in Brüssel um Fragen, wie Erfolge des Konzeptes gemessen werden können.

Letztendlich konnte die sehr optimistische Atmosphäre des Forums nicht darüber hinwegtäuschen, dass es weiterhin viele offene Fragen und Herausforderungen gibt. Kommissarin Georgieva wies selbst und erneut darauf hin, dass es auch heute noch immer leichter ist, Aufmerksamkeit (und damit Gelder!) nach Ausbruch einer humanitären Krise zu erhalten, als für Prävention und für ein langfristiges Engagement.

Auch die ewige Frage, wie es sich mit Nothilfeaktivitäten verhält, die aufgrund ihrer Modalitäten (schnell, gratis, ohne viel Beteiligung der Betroffenen) Resilienzziele unterlaufen können, blieb unbeantwortet.

Es wird wahrscheinlich im kommenden Jahr ein weiteres Forum geben. Die EU hat sich mit dem Thema Resilienz weit aus dem Fenster gelehnt. Spätestens beim kommenden Forum müssen dann auch konkretere Ergebnisse präsentiert werden.

Weiterführende Links zu der Veranstaltung hier:

First-of-its-kind Forum

Press release on resilience (April 2014)