Afghanistan-Konferenz von Ärzte ohne Grenzen

Zwischen Rhetorik und Realität – Die humanitäre Lage in Afghanistan – so lautet der Titel einer Konferenz, zu der Ärzte ohne Grenzen Berlin am 22. Mai 2014, 16 bis 19h, Kaiserin-Friedrich-Hörsaal, einlädt.
Die humanitären Bedürfnisse großer Teile der afghanischen Bevölkerung werden viel zu selten thematisiert, denn sie passen nicht in das Bild, das nach mehr als zehn Jahren westlicher Präsenz und Milliarden von Euro an Wiederaufbauhilfe projiziert werden soll. Doch die anhaltende Unsicherheit hat viele ernste Folgen für das Leben der Afghaninnen und Afghanen. Dazu gehört nicht zuletzt der schlechte Zugang zu und die geringe Verfügbarkeit von wichtigen Gesundheitseinrichtungen: Viele ländliche Kliniken funktionieren nicht richtig, und obwohl es mittlerweile mehr öffentliche Krankenhäuser gibt, funktionieren sie oft nicht gut und sind zudem überlastet. Überall mangelt es außerdem aufgrund der schlechten Sicherheitslage an qualifiziertem Personal, vor allem an Ärztinnen und Krankenschwestern. Die Unsicherheit behindert auch die Lieferung von Medikamenten und medizinischem Material. Darüber hinaus ist es für viele Afghaninnen und Afghanen zu gefährlich, die lange Fahrt zu einem Krankenhaus zu wagen. Es gibt zwar auch private Kliniken, doch sind sie für die meisten zu teuer.(s. auch den neuesten Afghanistan-Bericht von MsF.
Die angekündigte Debatte wird sich mit folgenden Fragen beschäftigen: Wie ist die Lage in Afghanistan nach mehr als 30 Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen und mehr als zehn Jahren westlicher Präsenz? Was sind die Nöte der Bevölkerung? Wo müssen internationale Hilfsorganisationen aktiv(er) werden und wie ist das möglich?
Im Rückblick auf die Interventionsstrategie der westlichen Staaten soll auch diskutiert werden, welchen Einfluss die Vernetzung von zivilen und militärischen Aufgaben auf die Arbeit der humanitären Organisationen hatte und hat. Sind sie durch die Integration in die Counter-Insurgency-Strategie zur Zielscheibe von Angriffen geworden? Wie kann die Bevölkerung zwischen politisch motivierter und unabhängiger Hilfe unterscheiden?
Im Kontext der sich verändernden Situation in Afghanistan soll es auf der Konferenz darum gehen, aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre zu lernen und auf die Notlage vieler Menschen im Land aufmerksam zu machen.

Weitere Informationen und Anmeldung auf der Internetseite von Ärzte ohne Grenzen

Neue Waffen – neue Kriege. Der Drohnenkrieg in Pakistan

2001, kurz vor den Anschlägen des 11. September 2001 in den USA, war ich in Peshawar. Ich musste dort auf mein Visum für Afghanistan warten. Nach drei Tagen war das Visum da, und ich konnte über den Kyberpass mit dem Taxi nach Kabul fahren. In Kabul waren die Taliban an der Macht. Einige Monate später begannen die USA ihren Luftkrieg gegen Afghanistan, und mit Unterstützung der Nordallianz konnten sie die Taliban aus der Regierung vertreiben.

Heute herrscht in Peshawar/Pakistan ein Klima der Angst. Angst vor den Anschlägen der Al-Quaida-Terroristen, Angst vor den Drohnenangriffen der USA. Am 22. April sendete der Deutschlandfunk ein Feature  über „Neue Waffen – neue Kriege. Militärische Konzepte im 21. Jahrhundert.“ Unter dem folgenden Link können Sie die Sendung anhören oder das Manuskript zur Sendung abrufen:

http://www.deutschlandfunk.de/militaer-neue-waffen-neue-kriege.1247.de.html?dram:article_id=271220

Jürgen Lieser

 

 

Vera findet gut zu lesen…

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Leider nach wie vor aktuell.
Die Realität der afrikanischen Flüchtlinge hat sich seit 2007, als die italienische Originalausgabe des Buches „Bilal – Als Illegaler auf dem Weg nach Europa“ von Fabrizio Gatti erschien, nicht verbessert. Der Autor war auf einer der berüchtigtsten Transitrouten vom Senegal bis Italien unterwegs. Er wurde so Augenzeuge und Chronist einer Odyssee von Abertausenden, die ihr Leben auf der Suche nach einem bessern Leben riskieren. Auf der Insel Lampedusa angekommen, gelang es ihm, sich als kurdisch-irakischer Flüchtling mit dem Fantasienamen „Bilal Ibrahim el Habib“ auszugeben. So konnte er aus eigener Erfahrung über die menschenunwürdige Behandlung der Flüchtlinge dort berichten. Das Buch bleibt auch heute ein authentischer Beitrag zur aktuellen Flüchtlingsdebatte und der europäischen Abschottungspolitik.

Gatti, Fabrizio (2010): Bilal. Als Illegaler auf dem Weg nach Europa. München, Verlag Antje Kunstmann. Seit 2014 als „ebook“ erhältlich. Italienische Originalausgabe (2007): Bilal. Viaggiare, lavorare, morire da clandestini. Verlag Rizzoli, Mailand. (Tiziano Terzani Preisgewinner2008).

Online-Leseproben: monde-diplomatique.de oder freitag.de