Warum eigentlich nun Resilienz?

Seit einigen Jahren taucht das Thema Resilienz vermehrt im Kontext der humanitären Hilfe und der internationalen Entwicklungszusammenarbeit auf. Zu Resilienz werden Artikel geschrieben, Konferenzen abgehalten, Strategiepapiere verabschiedet und Projekte entworfen. Wissen wir also nun alle, was mit Resilienz gemeint ist?

Neben DFID (dem britischen Entwicklungshilfeministerium) hat sich im Jahr 2012 die EU das Thema Resilienz ganz groß auf die Fahnen geschrieben (Link zu Beispielen). Im Strategiepapier des Auswärtigen Amtes zur humanitären Hilfe taucht der Begriff Resilienz in einem Verweis zur Strategie der entwicklungsfördernden und strukturbildenden Übergangshilfe (ESÜH) des BMZ auf: “Strukturbildende Ansätze der Übergangshilfe” sollen die Resilienz stärken.

Resilienz leitet sich aus dem lateinischen Wort resilire ab. Es heißt soviel wie „zurückspringen“ oder „abprallen“. Unter Resilienz versteht man im Allgemeinen die Fähigkeit eines Systems, mit Veränderungen umgehen zu können. Im Kontext der internationalen Hilfe bedeutet Resilienz, vereinfacht gesagt, die Fähigkeit eines Einzelnen, einer Gemeinschaft oder eines Staates, Katastrophen (menschengemachte- und Naturkatastrophen) zu bewältigen, ohne dass hierdurch längerfristige Perspektiven unterlaufen bzw. zerstört werden.

Resilienz antwortet damit auf eine Reihe von Herausforderungen (und Kritikpunkten) in der internationalen Hilfe. In vielen Ländern wird seit Jahrzehnten internationale Hilfe geleistet, die wie in einem bodenlosen Fass zu verschwinden scheint. Das Horn von Afrika zum Beispiel ist seit Jahrzehnten Zielregion für die Entwicklungszusammenarbeit und auch stets für humanitäre Hilfe. Trotz dieser intensiven Bemühungen kam es im Jahr 2011 zu einer verheerenden Hungerkatastrophe. Die Bilder riefen Erinnerungen an die Dürrekatastrophen in den 80er-Jahren hervor.

Kann Resilienz oben geschilderte Situation wirklich ändern? Bringt das Konzept der Resilienz tatsächlich einen Mehrwert?  Oder handelt es sich nur um ein weiteres Modewort in der langen Kette von „buzz words(wie zum Beispiel Disaster Risk Reduction, Climate-smart Disaster Risk Management, oder Human Security)? Was bedeutet Resilienz für die Praxis der humanitären Hilfe? Gibt es Chancen, durch den Fokus auf Resilienz die humanitäre Hilfe zu verbessern? Diesen Fragen wollen wir in unserem nächsten Beitrag nachgehen und sind schon sehr gespannt auf Kommentare!

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

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