Im toten Winkel der Aufmerksamkeit

In der ersten Jahreshälfte fand sich Mali oftmals im Zentrum der Aufmerksamkeit. Weitgehend unbeachtet von der internationalen Öffentlichkeit ist die humanitäre Notlage der Bevölkerung in Nordmali heute weiterhin sehr ernst. Geschätzte 255.000 Menschen gelten als Binnenvertriebene. Laut WFP haben im Norden von Mali 1,3 Millionen Menschen -oder 3 von 4 Haushalten- keinen sicheren Zugang zu ausreichender Ernährung. Laut UN OCHA sind in Nordmali ca. 660.000 Kinder von akuter Unterernährung bedroht.

Wieder einmal zeigt sich, dass eine internationale Intervention wie im Fall von Mali vielleicht einen Beitrag zur Stabilisierung leisten kann, jedoch die humanitären Probleme bei weitem nicht löst. Dies schon gar nicht, wenn Menschen von einer Vielzahl von Krisen gleichzeitig betroffen sind. Hier sind dies neben der politischen Krise auch eine Naturkatastrophe in Form von Dürre und Desertifikation. Dazu braucht es ein langfristiges und gut durchdachtes Engagement, das gezielt auf die Lösung der humanitären Herausforderungen hinarbeitet.

Auch in anderen Regionen Afrikas, leiden die Menschen zu Tausenden in humanitären Krisen. Wie ebenfalls das Beispiel der Zentralafrikanischen Republik zeigt, geraten diese Krisen manchmal kurz in den Fokus der internationalen Gemeinschaft. Im Windschatten dieser Aufmerksamkeit leisten humanitäre Geber dann kurzfristige humanitäre Hilfe. Landet das Land dann wieder im toten Winkel der Aufmerksamkeit, werden oftmals auch die Menschen dort wieder sich selbst überlassen. Zu loben sind Geber der humanitären Hilfe, die versuchen ein besonderes Augenmerk auf die Forgotten Crisis zu richten (zum Beispiel ECHO).

Auch das Auswärtige Amt hat sich vorgenommen, bei Finanzierungsentscheidungen zu berücksichtigen, dass es Krisen mit weniger medialer Aufmerksamkeit gibt (siehe hier im Gastbeitrag auf ForHumHilfe). Schön wäre es, wenn dieses Engagement auch noch transparent nachvollziehbar wäre. Auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes wird über die humanitäre Hilfe in Mali nur im Zusammenhang der politischen Ereignisse und nur bis Juni 2013 berichtet. Zu humanitärer Hilfe in der zentralafrikanischen Republik findet man bisher keine Informationen.

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

One Response to Im toten Winkel der Aufmerksamkeit

  1. forhumhilfe sagt:

    Die in dem Beitrag angesprochenen Länder Zentralafrikanische Republik und Mali rücken wieder ein wenig in den Fokus der Aufmerksamkeit. Die Bundesregierung plant militärische Hilfe:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/regierung-weitet-bundeswehr-einsatz-in-mali-und-zentralafrika-aus-a-944189.html
    Wie sieht es mit dem humanitären Engagement aus?

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