Humanitarian Studies Conference – Theorie und Praxis

Die Humanitarian Studies Conference erlebte ihre dritte Ausgabe Ende Oktober. Fast 300 Teilnehmer aus aller Welt versammelten sich für vier Tage im schönen Istanbul. Die Konferenz musste mit den Verlockungen des attraktiven Veranstaltungsortes konkurrieren. Man fragt sich, ob die Konferenz gut genug ist, um die Teilnehmenden bei dem schönen Wetter in den Hörsälen der Kadir Has University zu halten. Oder anders gefragt: Ist die Konferenz für die praktische humanitäre Hilfe tatsächlich relevant? Kann sie am Ende dazu beitragen, dass Menschen in humanitären Notlagen bessere Hilfe erhalten?

So viel vorneweg: Die Veranstaltungen waren gut besucht. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Forscher/innen und Instituten, die sich direkt oder indirekt mit der humanitären Hilfe beschäftigen. Auch die „namhaften“ Hilfsorganisationen waren vertreten, wobei es gut war, dass Teilnehmende aus verschiedenen Kontinenten anwesend waren. Noch relevanter könnte die Konferenz werden, wenn auch mehr staatliche Vertreter/innen teilnähmen. Nach Gebervertreter/innen musste man vergeblich Ausschau halten. Auch Vertreter/innen der VN gab es nur sehr vereinzelt.

Die Konferenz bietet den Vorteil, dass Teilnehmende sich aus einem breiten Spektrum an Angeboten (über 50 Panels) eine Vielzahl von Themen aussuchen können. Und was wurde besprochen? Unter anderem natürlich „Resilience“, aber auch sehr prominent das Konzept von „Human Security“. Wie so oft in der humanitären Hilfe, wurden auch in Istanbul die aktuellen (oder besser: die in den Medien vertretenen) Krisen wie zum Beispiel Syrien besonders beachtet. Ein weiteres Thema war die partnerschaftliche Arbeit, insbesondere unter dem Blickwinkel einer möglichen Verschiebung der globalen humanitären Hilfe auf die lokale Ebene. Die Rolle von Institutionen in fragilen Kontexten wurde besprochen und dort insbesondere die Rolle des Privatsektors.

Etwas überraschend ist, dass die noch junge Konferenz sehr klassisch -wenn nicht gar altmodisch- organisiert wird. Ein Panel reiht sich an das andere. Unzählige Powerpointpräsentationen flackern über die Leinwände. Es würde der Konferenz guttun, wenn etwas lebendigere Methoden und Innovation Einzug erhielten.

Mit ihrem breiten Themenspektrum und gutem Weitblick ist die Konferenz sicherlich auch für die deutschsprachige Community von Interesse. Teilnehmende, die wiederholt an der Konferenz teilgenommen haben, berichten von einer Qualitätssteigerung in den Diskussionsbeiträgen über die vergangenen Jahre. Wenn es wohl noch ein langer Weg ist, bis Wissenschaft und Praxis effektiv miteinander verbunden sind, so etabliert sich die Veranstaltung doch als weiteres Element eines professionellen Sektors.