Syrien: Dokumente gegen die Resignation

Angesichts der humanitären Katastrophe in Syrien mit ihrer komplexen Konfliktlage fällt es schwer, nicht in Resignation oder gar Zynismus zu verfallen. Ob wenigstens die derzeit stattfindende Vernichtung der Chemiewaffenbestände ein Hoffnungsschimmer oder nur ein Akt der Beschwichtigung ist, wissen wir nicht.

Wir möchten auf vier Dokumente aufmerksam machen, die auf sehr unterschiedliche Weise gegen Resignation und Ohnmacht im Falle des Syrienkrieges anschreiben und die jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt in den letzten Monaten die katastrophale humanitäre Situation verdeutlichen und die Politik zum Handeln aufrufen:

Der „Aufruf zum Frieden“ von Hans Christof Graf von Sponeck, der Anfang September unter dem Eindruck des scheinbar unmittelbar bevorstehenden Angriffs der Amerikaner und einiger Verbündeter in den französischen Zeitungen Le Monde und Le Temps erschienen ist.  Neben Hans Sponeck, der zwischen 1998 und 2000 stellvertretender UNO-Generalsekretär und UN-Koordinator für humanitäre Fragen im Irak war, wird dieser Aufruf von fünf weiteren ehemaligen hohen Beamten der Vereinten Nationen unterstützt.

Das zweite Dokument „Syria Refugee Crisis: The protection of Syria’s civilians must be the primary concern for all“ kommt vom Norwegian Refugee Council (NRC). Es reagiert ebenfalls auf die Androhung eines Militärschlages und stellt vor allem in den Vordergrund, dass der Schutz der Zivilbevölkerung allerhöchste Priorität haben muss. Der Generalsekretär des NRC und ehemalige OCHA-Chef, Jan Egeland, beschreibt die Lage der Flüchtlinge in den Nachbarländern Syriens, und der Vertriebenen in Syrien selbst, und fordert den Zugang zu allen Flüchtlingen und die Durchlässigkeit der Grenzen zu den Nachbarländern von Syrien.

In eine ähnliche Richtung geht das dritte Dokument, erschienen Anfang Oktober als Kommentar auf das Statement des Sicherheitsrates zur humanitären Situation in Syrien: Humanitarian Agencies Welcome Unanimous Security Council Statement Calling For Unimpeded Humanitaran Access In Syria, Urge Swift Implementation. Dort unterstützen 16 internationale Hilfsorganisationen den dringlichen Appel des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen an die syrische Regierung, humanitärer Hilfe ungehinderten Zugang zu gewähren. Sie fordern den Sicherheitsrat u.a. auf, nach 30 Tagen über die Fortschritte der Umsetzung des Appels zu berichten.

„Lasst uns die medizinische Versorgung in Syrien sicherstellen“ – so lautet der Titel der deutschen Fassung des „Syria Doctors Letter“, ein von 55 Ärztinnen und Ärzten aus der ganzen Welt unterschriebener Brief, in dem diese fordern, „dass den Kolleginnen und Kollegen in Syrien die Behandlung von Patientinnen und Patienten, das Retten von Leben und die Linderung von Leiden ohne Angst vor Angriffen oder Repressalien gestattet wird und sie in ihrer Arbeit unterstützt werden“. Zu den Unterzeichnern gehören Nobelpreisträger wie Dr. Jules Hoffmann (Frankreich), Prof. Dr. Harald zur Hausen (Deutschland) und Dr. Peter Agre (USA), sowie viele prominente und hochrangige Vertreterinnen und Vertreter von medizinischen Institutionen und Hilfsorganisationen wie z.B. Dr. Gro Harlem Brundtland (Norwegen), ehemalige Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation, oder Dr. Monika Hauser (Deutschland), Gynäkologin, geschäftsführendes Vorstandsmitglied von medica mondiale und Trägerin des Right Livelihood Award 2008. Die englische Fassung des Briefes ist am 21. September 2013 im angesehenen Journal „The Lancet“ erschienen.

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3 Responses to Syrien: Dokumente gegen die Resignation

  1. Sid Peruvemba says:

    Danke für die gute Dokumentensammlung, der ich noch gerne etwas hinzufügen möchte: Und zwar den in der FAZ vom 02.08.13 erschienenen Artikel von Reinhard Merkel, „Der Westen ist schuldig“, der eine interessante Debatte zur Frage aufwirft, wie hoch der Preis für eine demokratische Revolution sein darf und welche Rechtfertigung es für diesen Bürgerkrieg gibt.

  2. Pingback: 2014: Was ForHumHilfe sich vornimmt |

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