Tschad: Für eine erschreckend hohe Sterblichkeit braucht es keine Ausnahmesituation

Was weiss man über den Tschad? Macht das Land international Schlagzeilen? Positive oder negative? Ist es in unserem Bewusstsein präsent? Eher nicht!

Das könnte man noch wissen…
Die Republik Tschad ist ein Binnenstaat in Zentralafrika; etwa 3,5 mal so groß wie Deutschland mit ungefähr 12 Millionen Einwohnern. Das Land besteht etwa zur Hälfte aus der Sahara im Norden, der Sahelzone in der Mitte und dem tropisch-feuchten Süden. Seit 1990 ist Idriss Déby Itno das Staatsoberhaupt. Da drei Viertel der Bevölkerung jünger als 30 Jahre sind, kennen die meisten gar keinen anderen Präsidenten.

Davon hat man eventuell auch schon kurz gehört…
Seit 1998 gibt es immer wieder Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Bis jetzt haben sie aber nie zu einem Regierungswechsel geführt, so dass in der internationalen Presse selten über versuchte Coup d’etats berichtet wurde.

Das ist bestimmt vielen unbekannt…
Seit 2003 fördert der Tschad Öl, die Einnahmen aus dem Erdöl sollten gemäß einer Vereinbarung der Regierung mit der Weltbank zu 80 % für Projekte im Bereich des Sozialen und der Infrastruktur verwendet werden. Die Bilanz nach 10 Jahren ist aber eher ernüchternd (http://info.brot-fuer-die-welt.de/blog/10-jahre-erdoelfoerderung-tschad-oel-macht-armut ).

Und wie geht es nun einem großen Teil der Bevölkerung? In zwei Worten: Sehr schlecht!

Im Juni 2013 erstellte eine große internationale Organisation eine Studie zum Gesundheitszustand der Bevölkerung im Süden des Landes, in der Provinz Logone Occidentale. Eine Provinz mit einem der Landwirtschaft eher zuträglichem Klima, welche weder von internen Konfklikten noch von Flüchtlingsströmen aus der benachbarten Zentalafrikanischen Republik betroffen ist. Eine ganz „normale“ Provinz eben!
Zur Erinnerung: Die Referenzdaten zur “normalen” Sterblichkeit, also nicht im Kontext einer Katastrophe erhoben, betragen für Entwicklungsländer 0,5 Todesopfer pro 10.000 Menschen pro Tag. Die Sterberate bei Kindern unter fünf Jahren sollte nicht höher als ein Todesfall pro 10.000 pro Tag sein (siehe dazu unseren Blogbeitrag vom 16.10.2013).
Die Sterblichkeitsrate in der Studie betrug ein Todesopfer pro 10.000 Menschen pro Tag, und ist deshalb mit einer Notfallsituation vergleichbar. Das gleiche Ergebnis war leider auch bei Kindern zu sehen. Auch hier lag die Sterblichkeitsrate weit über den international definierten Grenzwerten in nomalen Situationen und indiziert damit eine Krisensituation.
Welche Konsequenzen ziehen wir aus diesen Daten?
Auch ohne Krieg und Naturkatastrophen kann der Gesundheitszustand einer Bevölkerung dem in einer Krisensituation gleich kommen. Die jahrzehntelange Vernachlässigung des Gesundheitssystems in einem Land gepaart mit internationalem Desinteresse ist dazu schon ausreichend.

Die katastrophale Situation der Bevölkerung im Tschad braucht unbedingt mehr internationale Aufmerksamkeit, sie darf nicht zu einer weiteren vergessenen Katastrophe werden!

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

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