Zuhören und besser helfen?

Anfang des Jahres stellte die amerikanische Organisation CDA-Collaborative Learning Projects das Buch “TIME TO LISTEN Hearing People on the Receiving End of International Aid vor. Hier kommen die Hilfeempfänger zu Wort. Über viele Jahre wurden die Meinungen von circa 6000 Menschen angehört, die in Ländern leben, in denen internationale Hilfe geleistet wird. Diese Menschen haben die Gelegenheit bekommen, die Ergebnisse der humanitären Hilfe zu kommentieren. Sie sprechen über das System der humanitären Hilfe. Es geht auch um sensible Fragen, wie zum Beispiel um Korruption.

Das Buch überrascht zunächst, weil es weitestgehend einheitliche Antworten aus verschiedenen Kontinenten und Kontexten präsentiert. Und auch die Antworten selbst überraschen zum Teil.

Die Hilfe wird als positiv wahrgenommen. Die Aussagen sind jedoch stets mit einem „Aber“ verbunden. Verbesserungsvorschläge zielen nicht auf eine Erhöhung der Hilfe. Vielmehr geht es einheitlich darum, die Art und Weise der Hilfeleistung zu verändern. Diese sei zu sehr von der Distanz zwischen den Gebern und den Empfängern der Hilfe gekennzeichnet. Die Entscheidungsträger seien nicht genug vor Ort präsent,  was dazu führe, dass die Hilfe teilweise als respektlos empfunden wird.

Man könne weiter Hilfe leisten wie bisher. Man würde einige Leben retten (was ja wichtig ist) und sowohl zum Teil nützlichen, aber auch unnützen Wiederaufbau betreiben. Einige Gruppen würden von der Hilfe profitieren, andere würden (weiter) marginalisiert. Zeit und Geld würde verschwendet. Oder man könnte sich von der traditionellen Geberrolle hin zu gemeinschaftlicher Analyse und Entscheidungsfindung entwickeln. Letztere würde den Empfängern Optionen eröffnen, die allein für sie nützlich sind.

Wer nicht selber ausreichend die Gelegenheit hat, ausführlich mit Menschen zu sprechen, die humanitäre Hilfe empfangen, wird sehr von dem Buch profitieren. Es geht nicht darum, allseits bekannte Schwachstellen der humanitären Hilfe aufzulisten. Vielmehr bietet das Buch einige entlarvende Beobachtungen und Verbesserungsvorschläge von denen, um die es zu allererst geht.

Das Buch gibt es als Pdf-Dokument kostenlos hier: Time to Listen

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

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