Frieden im Kongo – Wunsch oder Wirklichkeit?

Frieden im Kongo – Wunsch oder Wirklichkeit?

Schon seit ihrer Unbahängigkeit 1960 kennt die Demokratische Republik Kongo Krieg, bewaffnete Unruhen und schlechte Regierungsführung. Obwohl das Land über Bodenschätze mit einem geschätzen Wert von 18 Billionen Euro verfügt, leben 80% der 71 Millionen Kongolesen von weniger als 1,5 Euro am Tag. Das Land liegt auf dem UN-Entwicklungsindex der Vereinten Nationen auf dem letzten Platz. Als Folge der Kriege sind bis heute etwas 5,4 Millionen Menschen ums Leben gekommen und 3 Millionen befinden sich immer noch auf der Flucht[1].

Am 24. Februar 2013 haben sich elf Staaten aus Zentral- und Südafrika auf ein Abkommen für den Kongo geeinigt. Die Staaten erklären, künftig nicht mehr in Konflikte ihrer Nachbarstaaten eingreifen zu wollen oder Rebellengruppen zu unterstützen. Der kongolesische Präsident Joseph Kabila selbst und weitere Staats- und Regierungschefs waren extra dafür angereist, wie auch der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. In den Medien, wie z.B. FAZ, TAZ, ZEIT und Süddeutsche, wurde darüber relativ ausgiebig berichtet. Haupttenor der Berichterstattung war, dass es nun mit diesem Land endlich einmal bergauf gehen könnte.

Worüber leider fast nicht berichtet wurde, ist die Tatsache, dass zur gleichen Zeit die Kämpfe zwischen der kongolesischen Armee, und der Rebellengruppe MMR Mutomboki in der Provinz Süd-Kivu einen neuen Höhepunkt der Gewalt erreicht haben.

Warum ich das weiß? Statt einen Blogbeitrag zu schreiben, wäre ich seit Ende Februar im Kongo, um anhand einer Studie herauszufinden, welches die größten medizinischen Bedürfnisse der Bevölkerung in den umkämpften Gebieten sind. Auf Grund der drastischen Verschlechterung der Sicherheitssituation in Ostkongo wurde aber kurzfristig beschlossen, im Moment nicht noch weitere internationale Hilfskräfte in das Gebiet zu entsenden – eine Evakuierung aller bereits vorhandenen Hilfskräfte ist schon schwierig genug. Diese Entscheidung wurde auch am 24. Februar 2013 getroffen.

Was sagen uns diese beiden Ereignisse des 24. Februar 2013?

Rahmenverträge und Friedensabkommen sind wichtig, aber leider ändern sie für die Zivilbevölkerung in den umkämpften Gebieten erst einmal überhaupt nichts. Medienaufmerksamkeit zum Kongo ist wichtig, nur sollte neben Berichten über Regierungsführung auch verstärkt über die konkreten Lebensbedingungen vor Ort geschrieben werden. Die Arbeit der humanitären Hilfsorganisation ist noch lange nicht zu Ende, und ungeachtet solcher Papiere müssen diese weiter neutral und unabhängig ihre Arbeit fortsetzen, sofern man sie überhaupt lässt.

Sibylle Gerstl

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

2 Responses to Frieden im Kongo – Wunsch oder Wirklichkeit?

  1. Ralf Otto says:

    Fortschritte im internationalen Engagement gegen illegalen Rohstoffhandel im Ostkongo?

    Artikel der Neuen Züricher Zeitung:

    http://www.nzz.ch/aktuell/international/ordnung-machen-in-einer-kongolesischen-zinnmine-1.18075169

  2. Pingback: 2014: Was ForHumHilfe sich vornimmt |

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