Tod in der Ägäis

Kurze Nachricht über eine große Tragödie: „Am Freitag, den 14. Dezember, sank ein Boot in der Nähe der Küste der griechischen Insel Lesbos. 28 Migranten sollen an Bord gewesen sein, die Küstenwache sucht noch nach sechs vermissten Personen. Die Zahl der Todesopfer stieg bislang auf 21.“

Europa schottet sich ab. Diese Abschottung hat zur Folge, dass Tausende Flüchtlinge und Migranten auf dem Mittelmeer ihr Leben riskieren. Dies geschieht in unser aller Namen, wie schon zuvor im westlichen Mittelmeer, auf dem Weg zum Beispiel von Libyen nach Lampedusa im Bürgerkriegsjahr 2011.

Seit die Grenzkontrollen an der griechisch-türkischen Grenze verstärkt wurden, kommen weniger Migranten und Flüchtlinge auf dem Landweg, dafür sehr viel mehr auf dem gefährlichen Weg über die Ägäis. Die meisten der in den vergangenen Monaten dort Eingetroffenen sind aus Afghanistan oder Syrien geflohen. Es sind viele Kinder und schwangere Frauen dabei. Wenn sie eine der Inseln erreichen, dann sind sie oft in einem Zustand extremer Erschöpfung und Verängstigung.

Im Jahr 2011 haben rund 55.000 Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis Griechenland erreicht (zum Vergleich: Das bettelarme Jordanien allein beherbergt zur Zeit ca. 240.000 syrische Flüchtlinge). 40 Mio. Euro hat Griechenland in den vergangenen fünf Jahren von der EU erhalten, um angemessene Aufnahmebedingungen für Migranten und Zugang zu einem Asylverfahren zu schaffen. 253 Mio. Euro hat Griechenland im gleichen Zeitraum von der EU erhalten, um seine Grenzen abzusichern.

Ob die Menschen sich auf der Flucht befinden oder als Migranten auf der Suche nach mehr Sicherheit und einem besseren Leben sind – sie geraten, von Europa in die Illegalität getrieben, in humanitäre Notlagen. Sind wir nicht verpflichtet, für diese Menschen angemessene Rettungsdienste auf See zu schaffen? Aufenthaltsbedingungen, die menschenwürdig sind und die elementarsten Bedürfnisse gefährdeter und verletzlicher  Menschen berücksichtigen? Die Möglichkeit, Asyl zu beantragen? Mit ihren Kindern eine Zeit lang in menschenwürdiger Umgebung zu überleben?

Wie wäre es, wenn Europa endlich seine Grenzen für Flüchtlinge aus Syrien öffnete? Stattdessen lassen wir es zu, dass verzweifelte Menschen im Mittelmeer sterben oder bei Ankunft allzuoft in Internierungslager gesteckt werden. Gegen die Bestimmungen des Völkerrechts auf ein Leben in Würde, das auch das Recht auf humanitäre Hilfe beinhaltet.

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

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