Evaluierung der deutschen humanitären Hilfe – was sollte man daraus lernen?

Während des humanitären Kongresses, Mitte Oktober 2012 von Ärzte ohne Grenzen und einigen weiteren Organisationen organisiert, wurde bei einer Veranstaltung die in den Jahren 2010 und 2011 durchgeführte Evaluierung „Die deutsche humanitäre Hilfe im Ausland” vorgestellt. Offenbar ein Thema von großem Interesse, denn der Veranstaltungsraum platze aus allen Nähten. Ralf Otto, Mitglied im Evaluierungsteam, resümierte: Deutschland ist ein engagierter Geber – was sich in harten Zahlen belegen lässt – schöpft sein Potenzial aber nicht aus, was unter anderem an der allzu breiten Streuung der Finanzierungen liegt. Die Hilfe verteilt sich auf eine große Anzahl von Partnern in einer Vielzahl von Ländern. Es fehlte bisher ein Gesamtkonzept, das Prioritäten und Schwerpunktsetzungen ermöglichen würde.

In der anschließenden Diskussion war die Bundesregierung mit beiden beteiligten Ressorts – Auswärtiges Amt (AA) und Bundesministerium für Entwicklung (BMZ) – vertreten, sowie das Parlament durch einen Abgeordneten der Partei Die Linke. Die beiden Ministerien verteidigten die neue Aufteilung der humanitären Hilfe und der entwicklungsorientierten Übergangshilfe vom letzten Herbst zwischen AA und BMZ. Auf dem Panel gab das BMZ bereitwillig Redezeit an das AA ab, was wohl bereits verdeutlicht, wie von nun an die Zuständigkeiten innerhalb der Bundesregierung verteilt sind.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer erschienen nicht überzeugt, dass der humanitären Hilfe mit dieser Neuverteilung der Aufgaben wirklich am Besten gedient ist. Von Seiten des Parlaments wurde erneut bemängelt, dass die Ressortvereinbarung hinter verschlossenen Ministerialtüren abgemacht wurde und selbst Fachpolitikerinnen und -politiker erst durch die entsprechende Pressemitteilung informiert wurden. Dies sei sicher kein gelungenes Beispiel für eine transparente und offene Diskussion über den bestmöglichen Zuschnitt der Zuständigkeiten und Verwaltung der einhergehenden Mittel.

Die positive Präsenz der beiden Ressorts und die Diskussion beim Kongress hat gezeigt, dass es für das Thema durchaus eine interessierte (Fach)Öffentlichkeit gibt. Als eines der wichtigsten Ergebnisse dieser Veranstaltung sollte die Fachöffentlichkeit in die Neugestaltung der Aufgaben des Arbeitsstabes Humanitäre Hilfe einbezogen werden.

Eine Strategie des Auswärtigen Amtes zur humanitären Hilfe im Ausland wurde nun anlässlich der 100. Sitzung des Koordinierungsausschuss Humanitäre Hilfe vorgestellt. Sie wird bei ForHumHilfe in Kürze zur Diskussion gestellt.

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

One Response to Evaluierung der deutschen humanitären Hilfe – was sollte man daraus lernen?

  1. Thomas Hoerz says:

    Die „Strategie des Auswärtigen Amts zur humanitären Hilfe im Ausland“ hat mit dem Papier vom 12. 11. 2012, von Aussenminister Westerwelle persönlich vorgestellt, ein recht ordentlich gemachtes Einführungskapitel vorgestellt. Noch nicht ganz vollständig, aber: ‚the stage is set‘.

    Nach diesem hoffnungsvollen Auftakt sind wir gespannt auf die Folgekapitel, in denen die Strategie erläutert werden soll: Welche Ziele werden formuliert für die Weiterentwicklung des Systems? Welche Prioritäten sollen technisch, geografisch und Katastrophen-spezifisch gesetzt werden? Wie soll sich die Partnerstruktur weiterentwickeln? In welchen internationalen Institutionen soll Deutschland welche Rolle spielen? Wie wird das Kontiguum humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit gestaltet? Dazu sind wir noch gespannter auf das ‚Operationale‘: Zeitrahmen, Verantwortlichkeiten, milestones, Indikatoren, Überprüfung der Fortschritte. Vielleicht noch ein Wort zur neuen Rolle von Monitoring und Evaluierung als Teil der Strategie?

    Weiss man denn schon, wann die nächsten Kapitel erscheinen sollen? Bitte haltet mich auf dem Laufenden.

    Herzlichst, Thomas Hoerz, z.Zt. tätig in der humanitären Hilfe in Baghlan, Afghanistan

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