LRRD-reloaded

Seit Jahrzehnten wird darüber debattiert, wie humanitäre Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit gut miteinander verbunden werden können. Unter dem Ausdruck Linking Relief Rehabilitation and Development-LRRD wurden seitdem unzählige Debatten geführt und zahllose Studien veröffentlicht. Heute gibt es keinen ernstzunehmenden Akteur in der humanitären Hilfe mehr, der sich nicht zu dem Konzept LRRD bekennt.

Obwohl nie völlig vergessen, erfährt das Thema LRRD in Brüssel nun im Rahmen der Diskussionen um den EU Finanzrahmen für die Jahre 2014 bis 2020 eine Wiederbelebung. Erneut wurden Papiere zum Thema produziert, sowohl vom EU-Parlament, als auch vom Verband der Hilfsorganisationen.  Anfang September fand dazu eine hochrangig besetzte Anhörung im EU-Parlament statt.

Einigkeit scheint zu bestehen, dass die Umsetzung des Konzepts vor allem vor Ort weiterhin schwierig ist. So wurden zum Beispiel die EZ-Finanzierungsinstrumente der EU für Haiti nach der Erdbebenkatastrophe nicht angepasst – obwohl das Originalkonzept von LRRD für Naturkatastrophen wie eben in Haiti ersonnen wurde und auch durchaus sinnvoll ist. Auch deshalb wurde der Wiederaufbau nicht ausreichend finanziert und es entstand eine Lücke zu der zuvor umfangreich geleisteten Nothilfe.

Woran liegt es, dass auch nach jahrzehntelanger Diskussion und vielfachen Bekenntnissen, gutes LRRD eine Herausforderung bleibt? Sind die Gründe immer noch nicht ausreichend untersucht und offen genug benannt? Fehlt es an konkreten Vorschlägen für die Umsetzung des Konzeptes? Oder ist es mangelnder Wille – bei den Helferen, den Organisationen, den betroffenen Ländern?

Die EU hat ihr Bekenntnis zu LRRD nun erneuert. Sie dreht eine Reihe von kleineren Stellschrauben (z.B. durch die Erhöhung der Flexibilität des Development Cooperation Instrument) und setzt auf eine verbesserte gemeinsame Analyse und Planung vor Ort. Am Horn von Afrika wurde der Joint Humanitarian Development Framework angewendet. Die Ergebnisse gilt es abzuwarten.

Gibt es zu LRRD auch eine Debatte in Deutschland? Die Bundesregierung hat schließlich jüngst die Zuständigkeiten für die humanitäre Hilfe neu organisiert. Dabei wurde mit der entwicklungsorientierten Not- und Übergangshilfe ein Instrument abgeschafft, dass die viel zitierte Lücke zwischen der Nothilfe und der EZ schließen sollte. Mit Spannung ist zu erwarten wie und von wem in Zukunft gutes LRRD in Deutschland erreicht werden wird.

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: