Was ist eine „echte“ Hilfsorganisation?

In einem im April (15.4.) erschienenen Interview in der SZ spricht der Landeskoordinator in Mali von Ärzte der Welt, Oliver Vandecasteele, von den „wenigen echten humanitären Hilfsorganisationen“. Sein Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass es viele Hilfsorganisationen gibt, die nicht unabhängig und neutral arbeiten – wie immer das im Einzelfall definiert ist. Die Folge ist für ihn die Angst, dass dies besonders in Konfliktgebieten dazu führen kann, dass Hilfsorganisationen abgelehnt oder sogar angegriffen werden – weil sie als Teil der Konfliktparteien gesehen werden.

Das Problem kennen wir aus Afghanistan und anderen Kontexten: Es gibt Hilfsorganisationen, die mit dem Militär zusammenarbeiten; es gibt Militärs, die Hilfsprogramme ausführen „to win hearts and minds“ – und damit, so finden die meisten von uns, werden die humanitären Organisationen und Helfer durch „blurring the lines“ in Gefahr gebracht.

So mancher hat schon mal gestöhnt und von den ’sogenannten Humanitären‘ gesprochen – und meistens die anderen gemeint – z.B. die ‚Helfer in Uniform‘, die nicht immer auf strikte Trennung vom Militär bedacht sind. Oder auch Organisationen, die nur in regierungskontrollierten Gebieten arbeiten, aus welchen Gründen auch immer: Sicherheit, politischer Druck, Finanzierungsbedingungen. Das sieht im Zweifelsfall aus wie eine Parteinahme und führt sicher dazu, dass zum Beispiel in Afghanistan große Teile der Bevölkerung kaum Zugang zu Hilfsprogrammen haben.

Wir alle wissen: Es ist problematisch, die humanitäre Hilfe mit einer wie immer gearteten politischen Agenda zu  befrachten – ganz sicher in Konfliktgebieten, und ganz besonders da, wo westliches Militär eine Rolle irgendwo zwischen Aufstandsbekämpfung, Straßenbau, Schutz der Zivilbevölkerung und Staatsaufbau bewältigen soll. Aber ist es gerechtfertigt, die ‚echten‘ von den ’sogenannten‘ humanitären Organisationen zu unterscheiden? Nach welchen Kriterien soll man unterscheiden? Und brauchen wir diese Debatte?

http://www.sueddeutsche.de/politik/medecins-du-monde-in-mali-wir-sind-in-den-humanitaeren-notfall-betrieb-gewechselt-1.1332889-2

Über forhumhilfe
Unser Blog „Forum Humanitäre Hilfe“ informiert, kommentiert und stellt kritische Fragen zu Themen, Verlautbarungen und Ereignissen aus dem Handlungs- und Politikfeld der Humanitären Hilfe. Wir wollen dies unabhängig von institutionellen oder parteipolitischen Interessen tun. Wir sind eine kleine Gruppe von Menschen (siehe Kurzportraits), die aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrungen in der Humanitären Hilfe die Notwendigkeit sehen, eine unabhängige Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu Fragen der Humanitären Hilfe zu schaffen. Beiträge in diesem Blog, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, geben die Meinung der Gruppe wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge werden alleine vom betreffenden Autor/ von der betreffenden Autorin verantwortet.

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