Und täglich grüßt das Murmeltier – Liberia ist zum vierten Mal Ebola frei

Dieses Jahr war Liberia zweieinhalb Monate Ebola frei, von Mitte Januar bis Anfang April. Dann traten wieder drei neue Fälle in der Hauptstadt Monrovia auf, die sich im Nachbarland Guinea angesteckt hatten.

Die zuständigen Behörden reagierten schnell, Kontaktpersonen wurden engmaschig kontrolliert und es traten keine weiteren Infektionen auf, so dass am 9.Juni 2016 Liberia wieder einmal Ebola frei ist.

Eine Tatsache, die in der internationalen Presse eigentlich gar nicht mehr erwähnt wird und auch in Liberia selbst keine sehr große Beachtung mehr findet. Andere Skandale haben Ebola von den Titelseiten vertrieben.

Die internationale Gemeinschaft und natürlich auch die nationalen Behörden sollten Ebola allerdings weiter wichtig nehmen, sonst ist der nächste größere Ausbruch leider vorprogrammiert.

Schlag ein, der Handel gilt

Wir haben in den vergangenen Tagen viel vom WHS und damit von der Zukunft der humanitären Hilfe gelesen. In dem Zusammenhang wird seitens des UN High-Level Panel on Humanitarian Finance ein sogenannter großer Handel vorgestellt. Dabei geht es natürlich um Geld. An dem fehlt es stets in der humanitären Hilfe. Das kann man international an den VN Funding Appeals und in Deutschland an den kontinuierlichen Lobbybotschaften der NROs gegenüber der Bundesregierung nachverfolgen.

Nun lesen wir aus erlesener Feder, dass es vielleicht weniger am Geld sondern an der Effizienz fehle und dass es auch am Konkurrenzdenken der humanitären Akteure läge, wenn in den dringendsten humanitären Krisen nicht die Hilfe geleistet wird, die es bräuchte.

Die Vorschläge, die dann gemacht werden, sind meistens nicht neu, aber deshalb nicht unbedingt weniger richtig: „…less earmarking of funds by donors, joint needs assessments, harmonised reporting, joint procurement and increased use of cash as aid.”

Und nun zum konkreten Handel. Er schlägt eine Handelsfrist und ein konkretes Ziel vor: “By 2020, one quarter of humanitarian funding should go to local and national organisations directly and 30 percent of donor funds should be unearmarked.”

Wer schlägt ein? Wer verpflichtet sich? Die Bundesregierung? Das Auswärtige Amt überweist derzeit 0 Prozent der Finanzierungen an lokale Organisationen. Da wird es ein langer Weg zu 25 Prozent.

Und wie steht es mit den lokalen Kapazitäten, allein um die vielen Gelder zu absorbieren, geschweige denn sie effizienter umzusetzen als bisher? Und wieso sollen lokale Organisationen nicht in dieselben Konkurrenzmuster verfallen?

Was passiert also, wenn der Handel platzt? Meinungen dazu interessieren uns!

Wir freuen uns auch über weitere Ansichten/Gastbeiträge zu den Ergebnissen des WHS.

Mehr zum Thema: Kommentar von ODIArtikel des Guradian

Fluchtursachen bekämpfen – war da nicht was?

Die europäische Flüchtlingskrise hat etwas Gutes bewirkt, nämlich die Einsicht, dass es allemal besser ist, Fluchtursachen zu bekämpfen als Fluchtfolgen (oder Flüchtlinge, wenn man es zynisch zuspitzen will). Da findet sich eine erstaunlich hohe Übereinstimmung zwischen Politik, Wissenschaft, NGOs, Globalisierungskritikern, Menschenrechtlern, Dritte-Welt-Aktivisten, Stammtischdiskutanten und zuweilen sogar Rechtspopulisten. Lassen wir mal diejenigen außen vor, die sich dabei von Eigeninteressen leiten lassen (Hauptsache, wir halten uns die humanitären Krisen vom Hals). Was aber ist mit denen, die – als einzelne Staaten oder als Staatengemeinschaften (EU, VN)  – aus ehrlicher Überzeugung und politisch-ethischer Verantwortung die Bekämpfung von Fluchtursachen als die richtige Strategie zur Vermeidung massiver Fluchtbewegungen propagieren? Wie ernst ist es ihnen? Man darf an dieser Stelle erinnern an die Kürzung der Lebensmittelrationen des WFP für syrische Flüchtlinge im Jahr 2015 als eine wesentliche Ursache für die Flucht von Hundertausenden nach Europa. Das ist gerade mal ein Jahr her.

Perspektivenwechsel. In Äthiopien und Eritrea bahnt sich seit einigen Monaten eine neue Hungersnot an – u.a. als Folge von Klimawandel und El Niño -, die möglicherweise schlimmere Ausmaße annehmen könnte als die Hungersnot Mitte der 80er Jahre in der gleichen Region.. Die Welt schaut mehr oder weniger zu, das WFP ist wieder unterfinanziert, die Folge könnte sein, dass sich noch weit mehr Menschen als bisher aus den afrikanischen Hungergebieten auf den Weg nach Europa machen. Fluchtursachen bekämpfen – war da nicht was?

Jürgen Lieser

NGO-Konferenz zur Humanitären Hilfe im April 2016 in Berlin

„Humanitäre Hilfe – wessen Aufgabe ist das eigentlich?“ – mit dieser Frage beschäftigte sich Mitte April ein internationales Forum in Berlin, veranstaltet von Caritas international, der Diakonie Katastrophenhilfe, Ärzte ohne Grenzen und der Evangelischen Akademie Villigst. Dass Humanitäre Hilfe nicht einfach und unkompliziert ist („etwas, was jeder kann“), dass sie nicht frei von politischen Interessen ist, dass humanitäre Krisen politische Ursachen haben, dass Staat und Gesellschaft gemeinsam Sorge für die Rahmenbedingungen und Prinzipien guter Hilfe tragen müssen – all das sind nicht unbedingt neue Erkenntnisse zum Zustand der Humanitären Hilfe. Die Veranstalter leiten aus ihrer Analyse weitere notwendige Schritte ab: Mehr vertiefte und unabhängige Analyse und Debatte humanitärer Grundsatzfragen, neue gesellschaftliche Bündnisse mit anderen Politikfeldern und Akteuren (Diaspora. Flüchtlingshilfe), konkrete Aktionen wie etwa ein Preis für Humanitäre Hilfe oder ein Kampagnentag, mehr öffentliches Interesse und politischer Druck, um humanitäre Krisen zu vermeiden und Rahmenbedingungen für gute humanitäre Hilfe zu gewährleisten.

Kritik übte die Konferenz an der aktuellen Flüchtlingspolitik der EU und an den negativen Signalen, die davon für die Einhaltung der Menschenrechte, das Humanitäre Völkerrecht und die humanitären Prinzipien ausgehen.

Das Abschlusskommunique der Veranstalter finden Sie hier.

Humanitäre Debatte – eine neue Zeitschrift: „Alternatives Humanitaires / Humanitarian Alternatives“

Die Initiator/innen des Projekts Alternatives Humanitaires / Humanitarian Alternatives beabsichtigen mit ihrer  neu erschienenen (zweisprachigen) Zeitschrift ein Forum für eine globale Reflektion über die Humanitäre Hilfe und deren Entwicklung zu schaffen.

Die Zeitschrift bietet einen Raum der Begegnung und des Dialogs zwischen den Praktiker/innen der humanitären Hilfe und der wissenschaftlichen Szene bieten. Gleichzeitig soll die Zeitschrift mehr Aufmerksamkeit und Gehör bei einer breiteren internationalen Öffentlichkeit für die Humanitäre Hilfe bewirken. Die erste Ausgabe umfasst mehrere Artikel zum Fokusthema „Ebola – das Ende eines Alptraums?“.

Initiator/innen und Unterstützer/innen: la Fondation Action Contre la Faim, le Fonds Croix-Rouge française, la Fondation Handicap International et la Fondation Mérieux, l’Université Laval (Québec), la Chaire Raoul Dandurand / UQAM (Montréal), l’Université Lumière Lyon II / Université de Lyon, l’Institut Bioforce.

Link zur englischen Ausgabe: http://alternatives-humanitaires.org/en/

Link zur französischen Ausgabe: http://alternatives-humanitaires.org/fr

Und noch ein Hinweis für frankofone Leser/innen: Bei FRANCE CULTURE gibt es  eine Serie mit vier Sendungen zum Thema HUMANITAIRE: LA FIN DES ILLUSIONS zu hören: Teil 1Teil 2 Teil 3 – Teil 4

Liberia ist zum dritten (und wahrscheinlich nicht zum letzen) Mal Ebola frei

Die Weltgesundheitsorganisation hat am 9. Mai 2015 Liberia offiziell frei von Ebola erklärt, nachdem 42 Tage keine neuen Fälle mehr aufgetreten sind. Überall im Land fanden grosse „Ebola free“ Feste statt.

Nachdem neue Fälle aufgetreten waren, hat die Weltgesundheitsorganisation Liberia erneut am 3. September 2015 offiziell frei von Ebola erklärt. Die Freude darüber fiel schon geringer aus und es gab kaum mehr Feste.

Nachdem neue Fälle aufgetreten waren, hat die Weltgesundheitsorganisation Liberia erneut am 14. Januar 2016 offiziell frei von Ebola erklärt. Dies wurde im Radio bekannt gegeben, „Ebola free“ Feste fanden keine mehr statt.

Nachdem neue Fälle aufgetreten waren…. Halt!! Falsch!! Im Moment ist Liberia noch Ebola frei.

Das bis jetzt zweimalige Wiederkehren der Krankheit zeigt deutlich, dass man nicht davon ausgehen kann, dass es nicht auch weiterhin sporadisch weitere Fälle geben wird. Als Folge hat die Bevölkerung immer weniger Vertrauen in das bereits vor der Ebolaepidemie schwache Gesundheitssystem, Krankheiten werden lange außerhalb bestehender Gesundheitseinrichtungen „behandelt“. Die Folge sind schwerkranke Patienten, denen oft nicht mehr geholfen werden kann.

Liberia hat noch einen langen Weg vor sich, um ein funktionierendes Gesundheitssystem auf die Beine zu stellen. Hoffentlich wird es dabei von der internationalen Gemeinschaft nicht vergessen.

Dreifache Bewährungsprobe für die humanitäre Hilfe

Trockenheit und Überschwemmungen im Zusammenhang mit El Nino führen derzeit dazu, dass weltweit bis zu 100 Millionen Menschen aufgrund von Nahrungsmittel- und Wassermangel in Not sind. Hilfsorganisationen schlagen Alarm. Es bahnt sich eine dreifache Bewährungsprobe für die humanitäre Hilfe an:

Erstens: Wird es gelingen, diesmal rechtzeitig Hilfe zu mobilisieren? Bereits viele Male -und zuletzt im Jahr 2011 am Horn von Afrika- haben erst die schockierenden Bilder westlicher Journalisten aus den Krisengebieten zu Hilfe im erforderlichen Ausmaß geführt. Anschließend war das Klagen über die eigenen Unzulänglichkeiten im System der internationalen humanitären Hilfe groß. Nun wird sich zeigen, ob es Veränderungen im System gab und die Hilfe rechtzeitig dort ankommt, wo sie am dringendsten ist.

Zweitens: Werden ausreichend Mittel verfügbar sein? Wird es möglich sein, neben der politik- und medienrelevanten Großkrise Syrien, ausreichend Ressourcen für die Herausforderungen in Lateinamerika, in Asien und in Afrika zu mobilisieren?

Drittens: Werden die zahlreichen Maßnahmen zur Förderung der Resilienz und in der Katastrophenvorsorge Erfolge zeigen? Zum Beispiel sind allein in Äthiopien aktuell 10 Millionen Menschen betroffen. In dem Land wird seit Jahrzehnten internationale Hilfe geleistet. In den vergangenen Jahren wurde viel in ein großes Frühwarnsystem und zudem in Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz und zur Absicherung investiert (sog. Safety Nets). Die groß aufgelegten Programme galten als Prototypen für „bessere Hilfe“, die nicht nur reagiert, sondern vorbeugend wirkt. Nun muss sich zeigen, wie die Regionen und Bevölkerungsgruppen, die unmittelbar von den Maßnahmen profitiert haben, mit der Herausforderung zurecht kommen.

Zum Stand des „humanitären Systems“ – Neuer ALNAP Report erschienen

Kürzlich ist der von ALNAP (= Active Learning Network for Accountability and Performance in Humanitarian Action) herausgegebene Bericht zum „Stand des humanitären Systems 2015“ erschienen. Die Idee dieses Berichts ist, eine Gesamtschau des „humanitären Systems“ zu liefern und zu beurteilen, wie gut (oder schlecht) es die Bedürfnisse der von humanitären Krisen und Konflikten betroffenen Menschen befriedigt. Was aber ist überhaupt das „humanitäre System“? Nach der Definition von ALNAP „the network of interconnected institutional and operational entities through which humanitarian assistance is provided when local and national resources are insufficient to meet the needs of the affected population“.
Der nun nach 2010 und 2012 dritte Bericht evaluiert und bewertet die Entwicklung des humanitären Systems zwischen 2012 und 2014 und vergleicht sie mit der Periode 2009 bis 2011. Neben dem allgemeinen Teil enthält der Bericht auch vier Fallstudien: Philippinen (Taifun Hayan, bzw. Yolanda, wie er auf den Philippinen genannt wurde), Zentralafrikanische Republik, Mali und Syrien.
Unter die Lupe genommen werden die sechs Kriterien, die man von den OECD-DAC Evaluierungskriterien kennt, nämlich Deckungsgrad, Efektivität, Relevanz/Ange-messenheit, Nachhaltigkeit, Effizienz und Kohärenz. Der Bericht kommt zu einer gemischten Bilanz und stellt in Teilbereichen Fortschritte, aber auch Stillstand und sogar Rückschritte fest. Die Lektüre lohnt sich, nicht nur wegen der sehr übersichtlichen graphischen Aufbereitung der Daten, sondern auch im Hinblick auf Entwicklungen in Teilbereichen des „humanitären Systems“. So werden zum Beispiel unter Verweis auf eine „growth industry“ für 2014 insgesamt 4480 humanitäre Organisationen aufgeführt, die im System aktiv sind.

Wer sich schnell einen Überblick über die Ergebnisse des Reports verschaffen will, dem sei der Summary Report mit seinen 30 Seiten empfohlen.

Schlechte Gewohnheiten

Die FAZ schreibt in einem Artikel über Details der üblichen Verfahren in der Finanzierung der internationalen humanitären Hilfe. Solche Beiträge sind selten in den großen Medien. Die sogenannte Flüchtlingskrise ist der Anlass. Es geht um die Kürzungen der Hilfsrationen in den Flüchtlingslagern in den Nachbarländern Syriens. Eine breitere Öffentlichkeit erfährt so, was schon lange allgemeine Praxis und hinlänglich bekannt ist: Die Hilfswerke müssen regelmäßig auf Geldsammeltour gehen und können nie länger als ein Jahr im Voraus planen. Und das selbst in Situationen, in denen jeder weiß, dass es dieselben Bedarfe über Jahre hinaus geben wird.

Diese Praxis wird niemand als gut bezeichnen. Sie hat sich jedoch etabliert und kommt vor allem den institutionellen Gebern entgegen (darunter auch der deutsche Bundesregierung). Sie müssen sich nämlich nicht verbindlich und langfristig festlegen. Die Praxis erlaubt ihnen, Etats für die humanitäre Hilfe flexibel zu halten. Dies auch, um in jedem Fall in der Lage zu sein, auf die medienwirksamen plötzlich auftretenden Naturkatastrophen reagieren zu können. Diese Praxis stellt Menschen in Kriegskontexten, die einen Anspruch auf humanitäre Hilfe haben, wie auch die Helfer, immer wieder vor enorme Herausforderungen.

Die Kürzungen der Rationen in den Nachbarländern Syriens sind nicht der erste Fall dieser Art. Nur haben solche Fälle bisher nicht die Aufmerksamkeit bekommen, wie dies hier der Fall ist. Ob nun eine Änderung der Verfahren zu erwarten ist? Der Autor des FAZ-Artikels ist skeptisch. Wenn man bedenkt, dass es bereits viele Apelle zur Reform der Finanzierungsverfahren gab, muss man befürchten, dass er Recht behalten wird.

Link: Wie der Hunger die Syrer in die Flucht trieb

Gastbeitrag: Zwischen Aktivismus und Professionalität: Warum auf dem Mittelmeer die Zivilgesellschaft gefragt ist

Das Projekt Sea Watch wurde erst im Dezember letzten Jahres aus der Taufe gehoben. Damals waren es gerade mal drei Personen, die dem Sterben im Mittelmeer nicht mehr tatenlos zusehen konnten, ihr Geld zusammenlegten und daran gingen, private Seenotrettung zu organisieren.
Bis heute hat die Sea Watch, ein hundert Jahre alter ehemaliger Fischkutter, über 2000 Menschen direkt und aktiv vor dem Ertrinken gerettet und ihre Weiterfahrt in einen sicheren Hafen ermöglicht. Dabei wurde zusätzlich durch die Crew der Sea Watch jeweils das Borden auf weitaus größere Schiffe für den weiteren Transport sichergestellt und medizinische Hilfe geleistet, wo akut nötig.
Die anfänglichen Befürchtungen, dass die mangelnde Erfahrung mit kaum planbaren Situationen auf See eventuell zu unkalkulierbaren Risiken und Verletzung von Menschen führen könnte, haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil: Es ist kein einziger Mensch während dieser Rettungseinsätze zu Schaden gekommen und oft war die Sea Watch in weitem Umkreis von bis zu neun Stunden Anreise (zwischen 80 – 120 nautische Meilen) das einzige Schiff überhaupt, das helfen konnte. Manchmal wurden zur Aufnahme der Geretteten extra Schnellboote der Küstenwache aus Lampedusa geschickt.
Die viel zitierten Rettungseinsätze der Marine, inklusive der deutschen Schiffe Werra und Schleswig Holstein, fanden auf jeden Fall nicht dort statt, wo wir fast täglich per Fernglas völlig überladene Boote in Seenot sichteten. Die zivilen Kapazitäten waren allerdings auch extrem limitiert. Neben der Sea Watch gab es nur die wesentlich größeren und besser ausgestatteten Schiffe der Ärzte ohne Grenzen (MSF), Bourbon Argos und Dignity, und ein Schiff von MOAS, einer maltesischen Organisation in Kollaboration mit MSF.
Sea Watch hat sich in Kürze bei allen Akteuren auf dem Wasser, aber auch an Land, Respekt verschaffen können. Ohne viele Worte wurde eine schwierige Aufgabe in extrem kurzer Zeit angegangen und gemeistert. Das hat Leben gerettet. Und die Legitimität verschafft, darüber zu reden, was nötig ist, was bisher nicht getan wird und auch Pläne für die Zukunft kritisch zu kommentieren. Die Vorstellungen, den Schlepperbanden das Handwerk durch militärischen Einsatz zu legen und damit Menschen zu retten, sind bestenfalls zynisch, völlig unrealistisch und schlimmstenfalls menschenverachtend. Denn sie versuchen von der eigenen Verantwortung abzulenken und werden viel Geld kosten ohne positiven Effekt für Flüchtende.
Wir tragen zur politischen Debatte bei und wollen dort sein, wo keiner hinschauen möchte, um darüber zu berichten, was wirklich passiert. Das bedeutet praktische Solidarität.

Die unterschiedlichsten Menschen sind aktiv bei Sea Watch. Alle sind Profis in ihrem Bereich, niemand kann alles. Viele Kontakte tragen zur guten Vernetzung bei. Dies hat praktische Vorteile und erleichtert die Zusammenarbeit. Denn das ist es, was wir brauchen: die größtmögliche Gemeinsamkeit, um effektiv mit den limitierten Ressourcen möglichst viel helfen zu können und politischen Druck für eine wirklich aktive Rettung aus Seenot und einen legalen Zugang nach Europa zu machen.

Es muss kein Mensch im Mittelmeer ertrinken! Diese humanitäre Krise darf nicht in unserem Namen weitergehen.

Frank Dörner, Sea Watch Aktivist, Arzt und MSF-Mitglied